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Freizeit in Borås, 12.–27. August 2002

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Der Kayser von Fürstenau

Eine etwas andere Teilnehmerliste
Autoren: Frank Fischer, Alex Ziegler, Volker Gringmuth

In einer fernen Zeit in einem fernen Land lebte im Schloss zu Fürstenau ein mächtiger Kayser. Er war so voller Posmik, also possierlicher Komik, dass er nicht in einer Kutsche fuhr, sondern jeden Abend, wenn das Abendrot ins Nachtrodt überging, mit seinem Roller durch sein Kayserreich fuhr und einen Hablick auf seine Untertanen warf: die Untendorfer und die Obendorfer.

Sein Butler Andrews, der früher Seemann gewesen war, steuerte den kayserlichen Roller sicher am Ufer des Ahlborns zwischen den Häusern der Körber und der Krüger, der Meier und Schindler, der Fischer und Töpfer, der Lederer und vor allem der zahlreichen Ziegler hindurch.

Eines solchen Abends, als das Nachtrodt verblasste und der Vollmond hoch an der Himmelsköppl stand, verspürte der Kayser, wie ihm etwas auf den Buckel klopfte. Es war Freund Hein, der Kladautermann. Er war gekommen, weil die Lebensbüchner des Kaysers geschlossen wurden und es dem Kayser bestimmt war, in den Fluten der tiefen Peichel sein irdisches Dasein zu beschließen.

Weil der Butler Andrews, wie man weiß, Seemann gewesen war und daher Freund Hein, den Kladautermann, schon eher hätte bemerken können, ging den Weg er traurig zurück. Außerdem bereut er das Geschehene bis heute.

Um die Nachfolge stritten sich die Fürsten aus dem ganzen Reich: Fürst Adrian der Brendler, Walter von der Glemser und Kurfürst Olfert Herzog zu Briel.

Den Untertanen behaagte dieser Streit nicht, vor allem die Obendorfer waren sehr verdrossen, weil alle ihre Ochsen für die Gelage in Stücke gehackelt wurden. Daher schmidteten sie bei einem Treffen auf dem Hohnecker einen verfrickerten Plan.

Sie machten einen Brei aus gehackelten Gewörz-Goerken, Peperoni und Senfkörnern. Die Teilnehmer einer Schüllerfreizeit halfen ihnen, mit einem Stötzel die Zutaten zu einem, das muss man erwehnern, lebensgefährlichen Brei zu vermengen. „Ob datt gut gaidt?“ fragte der Töpfer mit dem gring Muth den Krüger. – „Und ob datt gut gaidt!“ sagte der Krüger. „Davon krisse Eglitis, da wett ich meinen Stöckmann drauf!“

Weil die Fürsten aus dem ganzen Reich (Fürst Adrian der Brendler, Walter von der Glemser und Kurfürst Olfert Herzog zu Briel) tatsächlich an Eglitis erkrankten und dahingerafft wurden, wählten die Unten- und Obendorfer den buckligen Kusterer und den haageren Kauschke zu ihren neuen Herren, und wenn sie nicht gestorben sind, dann herrschen sie noch heute.

Bei den Obendorfern und Untendorfern wurde aber folgender Satz ins Stadtwappen eingefügt: „VIR NOLI EDERE MVSVM“ – „Iss bloß keinen Brey, Mann!“