Punkt 1
Hästhagen, Ort des Letzten Frühstücks und der Lockenden Dusche.
Einen Kilometer nach dem Abmarsch bemerkt der wegen akuter Erkältung etwas neben sich stehende Volker Fahrtenleiterbär (im Folgenden „ich“ genannt), daß ich meinen Kompass vergessen hatte. Zur Orientierung nur nach Karte in völlig unbekanntem Terrain wäre der nicht unpraktisch gewesen. Aber die Sonne schien ja hell genug, um zu wissen, wo Süden ist. Und die Karte erwies sich als erfreulich genau.
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Erster und letzter Irrweg. Da wir zwischendurch einen Weg gequert hatten, der nicht eingezeichnet ist, habe ich gedacht, wir seien schon an dem Schlenker kurz hinter Punkt 3; als der Weg aber nicht aufhörte, nach Süden zu gehen, kam mir die Sache
spanisch vor und ich suchte uns einen schwedischeren Weg...
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Der zauberhaft brackige Kilabäcken quert den Weg, der hier von einem Zaun versperrt ist. Ich reiße ihn vorsichtig genug ein, um ihn hinterher wieder aufbauen zu können. Nicht alle Überquerenden respektieren diese Mühe, aber es ging. Merke: Man muss nicht alles kaputtmachen, was in Trittweite kommt. Selbst dann nicht, wenn’s einem den Weg versperrt.
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Verschnaufpause unter einem mächtigen Baum direkt neben dem Gehöft – von mir bald beendet, um die Bewohner nicht unnötig zu belästigen. Eigentlich sollte man als Wanderer in Schweden möglichst viel Abstand zu Wohnhäusern halten, da die
Bewohner auf Ruhestörung sehr empfindlich reagieren können.
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In Assmundared scheiterten erst einige Versuche, echte Wikingerkühe (sieht man an den Hörnern) über den Elektrozaun zu füttern, aber die dürfen wohl von Deutschen nichts annehmen. Nuja.
Erfolgreich war allerdings dann das Nachtanken der Trinkvorräte – zwei Stunden vorher hatten wir drei Eimer Wasser hier deponiert, die auch noch unversehrt da standen.
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Mittagspause (als Picknick; jeder hatte etwas dafür getragen). Zehn abgezählte Regentropfen, unsere einzigen der zwei Wochen, fielen dabei aus einer kleinen Wolke.
Einklich hatte ich am Sandsjö Mittagspause machen wollen. Dummerweise ist dort nicht viel Platz, und auf dem wenigen Platz steht ein Wochenendhaus, dessen Mieter sich auch gerade an diesem Wochenende dort aufhielt. Er sprach nur schwedisch, wir nicht, aber
er bedauerte offenbar aufrichtig, uns keine Pause ermöglichen zu können, da es zu eng sei. Es führe zwar ein „småle stig“ zum gegenüber liegenden Ufer, aber auch dort würden wir fragen müssen. Wir entschieden uns, lieber am Waldweg Pause zu
machen – also wieder zurück. Und von wegen „Sandsee“, das ist ein Moorsee – also sowieso nicht das beste Trinkwasser drin.
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Ich hätte gern noch einmal Trinkwasser tanken lassen, aber hier war das Wasser wirklich nur noch eine Moorbrühe. Also nur Verschnaufpause (war ganz schön warm), und weiter auf der Straße. Nach geänderter Marschordnung: die Langsamsten nach vorn. Unser
Feld zog sich nämlich schon zwanzig Meter nach einem Halt immer gut auseinander, aber der Witz beim gemeinsamen Wandern ist ja irgendwo das Gemeinsame. Oder?
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Wie schön, wenn man die Straße wieder verlassen kann. Abgesehen davon, dass Asphaltwanderungen nicht sehr fußfreundlich sind, sind 60 Leute auch ein ernsthaftes Verkehrshindernis. Dieser Waldweg führte uns zu einem Haus und lief dann als kleiner
Trampelpfad über eine Wiese, über einen Bach und dann einige hundert Meter durchs Moor. Mir hat’s sehr viel Spaß gemacht.
Kaum waren wir aus dem Moor draußen, war es Zeit für die Bundesliga-Zwischenstände der Deutschen Welle. Kurzwelle ist doch eine geniale Erfindung, trotz SMS – eine Live-Reportage fühlt sich einfach anders an.
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Ausflugsgaststätte Solviken; hier sollte es eigentlich Eis für alle geben, aber erstens kommt es anders...: geschlossene Gesellschaft. So gab es nur ein Muffin für jeden und Vertröstung auf den Abend (Eis-Nachlieferung).
Vorteil: der Sport-Report ab 280:30 konnte am Haus genossen werden.
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