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Mein Gmüth ist mir verwirret

Mein Gmüth ist mir verwirret / das macht ein Jungfrau zart
bin ganz und gar verirret / mein Hertz das krenkt sich hart
Hab Tag und Nacht kein Ruh / führ allzeit große Klag
thu stets seufzen und weinen / in Trauern schier verzag.

Ach, dass sie mich thät fragen / was doch die Ursach sey
wann ich führ solche Klagen / ich woll ihrs sagen frey
dass sie allein die ist / die mich so sehr verwundt
könnt ich ihr Hertz erweychen / würd ich bald wieder gsund.

Reichlich ist sie gezieret / mit Tugend ohne Zahl
höflich, wie sichs gebühret / ihrsgleichen ist nicht viel
Für andern Jungfraun zart / führt sie allein den Preis
wann ichs anschau, vermeyn ich / ich sey im Paradeis.

Hans Leo Haßler (1564-1612)
aus: "Lustgarten neuer teutscher Gesäng", 1601

Dieses Liedl wurde ein paar Jahre später (um 1640) mit dem geistlichen Text "O Haupt voll Blut und Wunden" unterlegt (den Paul Gerhard kurz vorher als Übersetzung des lateinischen Gesanges "Salve caput cruentatum" angefertigt hatte), mit dem es heute noch bekannt ist. So etwas nennt man, wenn man will, eine Kontrafaktur. Ist also nichts Anstößiges dran, wenn man so was heute auch noch macht - hat im kirchlichen Bereich Tradition! Also, her mit den Charts und auf sie mit Gebrüll...