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Was’n das?

Wäre ich doch bloß bei meinem alten Beruf geblieben ... Dass ein Tontechniker nicht unbedingt in einer Töpferei arbeitet, hat sich ja nun schon einigermaßen herumgesprochen. Aber wenn ich jetzt von meinem zweiten Beruf erzähle, ernte ich regelmäßig Blicke, deren Spektrum von einem ehrlich-fragenden „Was ist denn das?“ bis zu einem hintergründig-neugierigen geheuchelten „Ah, ja ...“ reicht, während das hinter diesem Blick steckende Hirn von der Frage zermartert wird: „Was um Himmels Willen macht ein Technischer Redakteur?“

Bevor wir uns dieser weltbewegenden Frage zuwenden, werfen wir doch mal einen Blick in die Vergangenheit.

Es gab mal eine Zeit, da ging ich noch zur Schule. Wer’s genauer wissen will: aufs Otto-Hahn-Gynmasium in Springe. Die Monate flossen dahin, das Abi rückte näher, aber ich wusste noch immer nicht, was ich eigentlich machen wollte. Irgendwas Technisches – so viel war mir klar. Welch eine präzise Vorstellung...!

Nuja, erstmal ereilte mich sowieso – uff, Bedenkzeit! – das Schicksal des männlichen Teils der Bevölkerung, und zwar in Form eines 20-monatigen Zuvieldienstes im Altenzentrum Springe.

Mittlerweile war mir klar geworden, dass eine Art Ingenieurstudium meinen Fähigkeiten durchaus entspräche. Nur gibt es davon (von den Ingenieurberufen meine ich) eine raue Menge, die allerdings eine durchgehende Eigenschaft aufweisen: Man muss vor Studienbeginn ein Praktikum absolvieren. Manchmal 3 Monate, manchmal 6. Na, dann bringen wir das doch erst mal hinter uns.

Ich brachte es hinter mich, in einem recht interessanten Praktikum bei Sennheiser electronic in der Wedemark, nördlich von Hannover. Das war unter anderem mein erster Kontakt mit professioneller Tontechnik. Ob das ansteckend ist?

Jedenfalls grenzte diese Zeit meinen Entscheidungsbereich geringfügig weiter ein – immerhin wusste ich jetzt schon mal, dass ich gern im Bereich der Medientechnik arbeiten würde. Das ist doch schon mal was.

Nun war das damals ein noch so neuer Wirtschaftszweig, dass ich mir erst mal einen „Riecher“ verschaffen wollte über mögliche Tätigkeiten und so. Das bedeutet: Praktika, Praktika, Praktika und dabei viele, viele dumme Fragen stellen! Und das habe ich auch gemacht. Wurde Zeit, ich war schon 22.

Das erste Praktikum, wenn man es so nennen will (offiziell hieß die Tätigkeit „Missionshelfer“) bestand darin, beim „medienteam“ des Missionswerks „Campus für Christus“ in Gießen Multimediaschauen vorzuführen. Klingt trocken, ist es aber gar nicht. Diese Mann- und Frauschaft hat mehrere große Multimediaschauen entwickelt (groß bedeutet dabei etwa folgendes Format: 1500-2000 Dias, Video/Film, Mehrkanalton, 8-10 Projektoren, 4×6-m-Leinwand), die kreuz und quer durch Deutschland „tourten“. Anfahrt, Aufbau, Vorführung, Abbau, Übernachtung, von vorn. Also richtig Road-Betrieb; das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Quasi nebenbei lernte ich in dieser Zeit auch meine Freunde Frank Fischer, Jörg Mitschele und Role Kalkbrenner kennen.

Von Gießen nach Wetzlar ist es so wenig weit, dass diese beiden Städte sogar schon mal zwei Jahre lang verheiratet waren (1977 bis 1979 zur Stadt „Lahn“, allerdings ging diese Ehe sehr schnell wieder in die Brüche), und in Wetzlar befinden sich mehrere Kerne der christlichen Medienarbeit in Deutschland. Der technischste davon ist der Evangeliums-Rundfunk (ERF). Dorthin zog es mich nicht nur, sondern die suchten auch einen Assistenten für die Hörfunk-Studios, so eine Art Hilfs-Tontechniker. Somit wechselte ich nahtlos von Gießen nach nebenan.

Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man sonntags ins Bett geht und sich darauf freut, am nächsten Morgen zur Arbeit gehen zu dürfen. Irgendwie so unkonformistisch. Aber beim ERF hab ich mich einfach sauwohl gefühlt, obwohl die Arbeit durchaus nicht immer spaßhaft war. Aber ich hatte einfach das Gefühl, am richtigen Fleck zu stehen – das ist durch nichts zu ersetzen.

Ich wäre gern gleich in dem Verein geblieben, aber ich hatte ja immer noch nichts Anständiges gelernt. Und das sah man von Seiten dieses Vereins kritisch – was allerdings nur vernünftig ist, denn was wäre aus mir geworden, wenn sich zehn Jahre später der ERF (ein rein spendenfinanziertes Missionswerk) mich nicht mehr hätte leisten können?

So zog ich denn wieder aus dem tiefsten Hessisch-Sibirien in die Calenberger Heimat. Mein Plan bestand darin, bei meinem ehemaligen Klavierlehrer noch mal kräftig Unterricht zu nehmen, um dann, mit profunden Fähigkeiten gewappnet, die Aufnahmeprüfungen für Tontechnik-Studiengänge anzugehen (die alle irgendwie mit einem Musikstudium verknüpft sind). Nebenbei jobbte ich (als Hilfs-Servicetechniker) bei deister electronic in Barsinghausen.

Die erwähnten profunden Fähigkeiten konnten aber leider keine Prüfungskommission überzeugen. Als letzter Strohhalm auf dem Weg in die Tontechnik (private Schulen wie die SAE waren mir zu teuer und haben auch keinen besonders guten Ruf) blieb die Schule für Rundfunktechnik in Nürnberg, bei der ich mich der Vollständigkeit halber auch beworben hatte. Um sicher zu gehen, begann ich aber auch eine handwerkliche Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker, notfalls könnte ich damit quer einsteigen.

Die Sorge war unbegründet, die SRT nahm mich. Im Januar 1993 begann dann also mein Lebensabschnitt in Mittelfranken (Nürnberg, Wielandstraße – gleich neben der Burg) und meine erste richtige Berufsausbildung zum Tontechniker. Was eigentlich nicht stimmt, denn die damalige SRT-Ausbildung war vom Arbeitsamt nicht anerkannt. Aber die Aussichten waren gut. Im Übrigen ist Nürnberg eine urgemütliche Stadt, in der ich es auch noch länger ausgehalten hätte.

Die Chancen verschlechterten sich allerdings im Laufe der Ausbildung, aber zwei Wochen nach Ende derselben, Weihnachten 1993, rief der Deutschlandfunk bei mir an: Eine Aushilfe für sechs Monate werde gesucht, ob ich noch Interesse habe? Und ob ich hatte! So verschlugs mich nach Köln. Da war ich ja noch nie gewesen ...

An diese sechs Monate beim Deutschlandfunk (die leider nicht verlängert werden konnten, so gern mich die Abteilungsleitung auch behalten hätte) schloss sich quasi nahtlos – schon ein kleines Wunder! – eine Festanstellung beim Südwestfunk in Baden-Baden an. Endlich war ich mal dauerhaft irgendwo gelandet!

Beim SWF arbeitete (oder, wie man dort sagt, „schaffte“) ich zunächst in der Betriebstechnik (damit ist alles gemeint, was direkt auf die laufende Sendung zuarbeitet, also die Produktion und Bearbeitung aktueller Beiträge) und wechselte dann in die Übertragungstechnik.

Übertragungstechnik bedeutet „Funkhaus mobil“. Alles Technische, was nicht „drinnen“ stattfindet, wird von der Ü-Technik abgewickelt: Mitschnitte, Außensendungen, Reportagen, Konzertaufnahmen, PR-Aktionen, Beschallungen – das Feld ist groß, die Abteilung klein (und sehr nett), und es hat viel Spaß gemacht, weshalb ich dort auch einige Jahre blieb.

Einen Haken hatte die Sache allerdings. Die Veranstaltungen, um die es in der Ü-Technik geht, finden naturgemäß meist abends oder am Wochenende statt. Und sind, was erschwerend hinzukommt, weit weg. Wenn z.B. am Samstag tagsüber in der Eifel was los ist, fährt man Freitag mittag in Baden-Baden ab und kommt Sonntag nachmittag zurück – das Wochenende ist gelaufen. Und das gilt in diesem Dienst für eine erschreckend hohe Zahl an Wochenenden. Was bei mir dazu führte, dass sich mein Privatleben einem recht kleinen Wert annäherte. Man kann ja kaum noch Leute besuchen oder empfangen. Da helfen auch die freien Dienstage und Mittwoche als Ausgleich nicht.

So hielt ich Umschau nach Alternativen und stieß im Gespräch mit einer Kollegin auf den interessanten Beruf des Technischen Redakteurs. Womit wir endlich bei der Eingangsfrage angelangt wären – die Geduld hat sich gelohnt.

Erstaunlicherweise hat dieser Beruf überhaupt nichts mit Zeitschriften zu tun (daran denkt jeder zuerst). Ein Technischer Redakteur kann als Fachautor bei einer Zeitschrift arbeiten, aber das ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Ganz allgemein ist er ein Spezialist dafür, technische Inhalte verständlich zu vermitteln. Das ist natürlich ein sehr weites Feld – hier eine kleine Auswahl:

– kurz: ein äußerst interessanter und gefragter Beruf. Technische Geräte werden immer „multifunktioneller“ und komplizierter, die Vermittlung von technischem Wissen immer wichtiger. Diese Kombination von Verständnis und Vermittlung trifft bei mir den Nagel auf den Kopf – genau das macht mir Spaß.

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