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Freunde

Junge Freunde

Kinder(Kalenderbild von Michael Martin)

Ich weiß, dass das ein empfindliches Thema ist. Freundschaftliche Beziehungen zwischen Kindern und (eigentlich fremden) Erwachsenen sind ungewöhnlich. Doch sie gehören zu meinem Leben und dürfen hier nicht fehlen.

Ja, ich mag Kinder. Sogar sehr. Ich bin gern mit Kindern zusammen, unterhalte mich mit ihnen, spiele mit ihnen oder tobe mit ihnen herum, lasse mir etwas erzählen oder erzähle ihnen etwas.

Schon so manches Mal waren Erwachsene erstaunt darüber, „wie gut ich mit Kindern umgehen kann“. Das freut mich einerseits, aber andererseits kann ich mir nichts darauf einbilden - weil es mich gar keine Mühe kostet! Es macht mir einfach Freude, mich mit Kindern zu beschäftigen und mich auf sie einzulassen. Und Kinder merken das. Sofort.

Ich selbst nenne mich gern Kinderfreund, weil das Wort einfach am besten trifft. Denn das will ich - Kindern ein Freund sein.

Die meisten Beziehungen zu Kindern dauern genau so lang wie die eigentliche Begegnung: aus dem Augen, aus dem Sinn - Kinder sind nun mal so, sie leben in der Gegenwart. Aber manchmal ergeben sich wirklich richtige Freundschaften - Kinder-Freundschaften, die mir kein bisschen weniger wichtig sind als die „erwachsenen“!

Natürlich sehen Freundschaften zu Kindern etwas anders aus als Freundschaften zu Erwachsenen. Vor allem (dies zur Beruhigung aller Eltern) kommt es mir bei Kinderfreundschaften auf folgende Punkte an:

  1. Eine Kinderfreundschaft ist niemals eine Konkurrenz zur Elternbeziehung, sondern immer eine Ergänzung. Die Beziehung zu den Eltern sollte im Normalfall für das Kind die oberste Priorität haben, der auch ich mich unterordnen muss. Das gilt natürlich auch für den Fall, dass Eltern mich erst einmal mit gesundem Misstrauen betrachten (was ich im Sinne des Kinderschutzes leider nur begrüßen kann...)

  2. Eine Kinderfreundschaft ist naturgemäß einseitig, weil sie auf der Seite des Kindes kaum belastungsfähig ist. Ich kann einem Kind anbieten, dass es mit Problemen zu mir kommen kann, aber ich kann umgekehrt meine Probleme keinem Kind aufbürden.

  3. Eine Kinderfreundschaft ist immer ein Angebot an das Kind. Ich habe keine Ansprüche zu stellen. Das liegt einfach daran, dass Kinder nicht langfristig denken. Wenn ein Kind morgen ganz spontan meine Freundschaft nicht mehr will, dann war's das eben...

  4. Eine Kinderfreundschaft soll einem Kind ein Stück Freiheit ermöglichen. Das heißt für die Gestaltung einer solchen Freundschaft, dass ich einem Kind niemals etwas aufzwinge - die Initiative liegt bei ihm, ich kann höchstens Vorschläge machen.

Die wohl kürzeste Freundschaft dauerte etwas über eine Stunde. Im Interregio von Hannover nach Gießen. Sie war vielleicht sieben Jahre alt. Irgendwo um Kassel rum stand ich am Fenster, und sie wollte auch hinausgucken, traute sich aber nicht, auf den Absatz zu steigen. Ich bot ihr meinen Arm als Stütze an - was sie begeistert annahm und nebenbei begann, mir ihre komplette Lebensgeschichte zu erzählen.
Die restliche Strecke brachte sie - mit Erlaubnis ihrer Mutter, die ein Abteil weiter saß und mich kurz in Augenschein genommen hatte - bei mir zu; sie hatte viel zu erzählen, und wir haben eine Menge „Rausguckspiele“ erfunden: „Wer das nächste Pferd sieht,...“
In Gießen rief sie mir zum Abschied freudestrahlend zu: „Wir waren aber nur kurz Freunde!“ Klar, aber allemal besser, als stumm nebeneinander herzudampfen, oder?

„Weil unsere Kinder unsere einzige reale Verbindung zur Zukunft sind, und weil sie die Schwächsten sind, gehören sie an die erste Stelle der Gesellschaft!“
(Olof Palme)

Wenn du auch Kinder magst und etwas für Kinder tun willst, dann fühl dich hiermit herzlich dazu eingeladen. Zwei Vorschläge:

Und noch ein Buch-Tipp: „Zeit für Kinder“ von Ekkehard Braunmühl, fischer taschenbuch, ISBN 3596267056. Ist leider vergriffen und wird wohl nicht mehr aufgelegt, aber dürfte in vielen Bibliotheken (evtl. auch Antiquariaten) zu finden sein. Es geht um Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern, um Störungen und wie man sie abbauen kann.

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