einklich.net  > Spaß > Astronomie > Marsopposition 2003

26. Feb. 2004

Marsopposition August 2003

So nah wie lange nicht mehr

Da ein Planet um so langsamer um die Sonne kreist, je weiter er von ihr entfernt ist, kommt es dauernd zu Überholmanövern im Sonnensystem.

Der Planet Mars ist der erste der „äußeren Planeten“, die die Sonne außerhalb der Erdbahn umkreisen. Ende August „überholen“ wir ihn sozusagen auf der Innenbahn, daher steht Mars von uns aus gesehen der Sonne am Himmel fast genau gegenüber. Der Astronom spricht dann von einer „Opposition“. Wenn ein Planet in Opposition steht, ist er sehr hell und uns sehr nah, die ganze Nacht über sichtbar und steht um Mitternacht hoch im Süden.

Bahnen von Erde und MarsEine Jahrtausend-Opposition?

Marsoppositionen ergeben sich etwa alle 26 Monate und sind an sich nichts Außergewöhnliches. Das Außergewöhnliche dieser Opposition ist die geringe Entfernung von Erde und Mars.

Das Bild zeigt die Erd- und Marsbahn sowie die Stellungen der vier innersten Planeten am 27. August 2003. Man sieht sofort, dass sich der Abstand zwischen Erd- und Marsbahn sehr stark mit der Richtung ändert. Das hat zwei Gründe: Erstens ist die Marsbahn im Gegensatz zur fast kreisförmigen Erdbahn stark elliptisch, und zweitens stehen sich die sonnennächsten Punkte der Erd- und Marsbahn fast gegenüber, die Bahnen sind also auch noch „gegeneinander verdreht“: Dort, wo die Marsbahn ihren sonnennächsten Punkt, das Perihel, hat, ist die Erdbahn noch gut im sonnenfernen Bereich und damit der Marsbahn um so näher.

Jetzt muss es sich nur noch zufällig mal so ergeben, dass Erde und Mars gerade gleichzeitig diese Stelle durchlaufen, an der sich ihre Bahnen „Guten Tag“ sagen. Und das wird in diesem Jahr fast perfekt erreicht: Am 27. August mittags um 11:54 Uhr MESZ ist Mars mit 55,758 Millionen Kilometer fast so nah, wie es überhaupt geht. Die einkliche Oppositionsstellung (nämlich 180° „Längenunterschied“ zwischen Sonne und Mars) ist etwas später, am 28. August um 19:59 Uhr. Am 30. August um 13:03 Uhr sonnt sich Mars dann gemütlich in seinem Perihel.

Deshalb liest man überall vom astronomischen Jahrtausend-Ereignis. Die letzte so nahe Opposition ist 57.000 Jahre her. Ob sie jemand beobachtet hat, wissen wir nicht.

Andererseits: So einzig diese Opposition ist, einzigartig ist sie wirklich nicht. Die letzte Perihelopposition des Mars war am 22. September 1988. Mars war da fünf Prozent weiter von der Erde entfernt als dieses Jahr. Und am 12. August 1971 war es sogar nur ein Prozent weiter. Das relativiert die Sache doch gleich wieder etwas.

Die nächste Perihelopposition des Mars können wir unseren Kindern am 31. Juli 2018 zeigen. Entfernung: 57,589 Millionen Kilometer. Übertroffen wird die diesjährige Opposition „schon“ am 28. August 2287 (55,686 Millionen km).

Mars am HimmelNicht zu übersehen!

Gegen Mitternacht steht Mars in diesen Wochen unübersehbar am Südhimmel – ein strahlend heller, deutlich orangefarbener „Stern“ in einer sonst eher sternarmen Gegend im Sternbild Wassermann. Mars ist jetzt, vom Mond abgesehen, das hellste Objekt am Nachthimmel. Erst Anfang Oktober erscheint Venus wieder nach Sonnenuntergang als „Abendstern“ im Westen, noch heller als jetzt Mars.

Das Bild zeigt den Südhimmel über Schwäbisch Gmünd um Mitternacht 26./27. August 2003. Das Braune unten ist der Horizont, S bezeichnet den Südpunkt. Die horizontparallelen Kurven geben die Höhe über dem Horizont in Winkelgrad an. Mars steht etwa 20° hoch über dem Horizont, das entspricht ungefähr der schmalen Seite eines A4-Bogens am ausgestreckten Arm.

Falls demnächst mal wieder jemand behauptet, Mars sei in Opposition so groß wie der Vollmond, dann erzähl ihm, dass Mars zwar doppelt so groß ist wie der Mond, aber dafür immer noch 150-mal so weit entfernt.

Für das Auge ist Mars nur ein heller Punkt. Aber schon durch ein gutes Fernglas ab 10-facher Vergrößerung kann man Mars als „Scheibchen“ sehen. Für die Oberflächenstrukturen, etwa die weißen Polkappen, muss es allerdings ein „richtiges“ astronomisches Teleskop ab ca. 50-facher Vergrößerung sein.

Doch auch ohne optische „Bewaffnung“ bietet unser Nachbar in drei Lichtminuten Entfernung einen faszinierenden Anblick, und da in der letzten Augustwoche Neumond ist, ist der Himmel auch schön dunkel.

Daten über Mars

Größe:

Mars ist mit 6.794 km Äquatordurchmesser gut halb so groß wie unsere Erde (12.756 km) und, wie gesagt, fast genau doppelt so groß wie unser Mond (3.476 km).

Kalender:

Mars braucht für einen Sonnenumlauf 1,88 Erdenjahre. Er rotiert ähnlich schnell wie die Erde: ein Marstag dauert 24 Stunden und 40 Minuten.

Wetter:

Auf der Tagseite kann die Oberfläche +20 °C warm werden, in der Nacht kühlt es dann aber wieder bis auf –80 °C ab, da der Mars kein Wasser hat, das auf der Erde als Wärmepuffer wirkt.

Ansonsten hat der Mars nur eine dünne Atmosphäre aus CO2, in der es kein Wettergeschehen gibt. Da der Marsäquator aber um 25° gegen seine Umlaufbahn geneigt ist (Erde: 23,5°), kommt es auch auf dem Mars zu Jahreszeiten. Das kann man sehr schön am Wachsen und Schrumpfen seiner weißen Polkappen aus gefrorenem CO2 (Trockeneis) beobachten.

Landschaft:

Die Marsoberfläche besteht aus Sand bzw. Sandstein und rotem Eisenoxid, das die rötliche Farbe des Mars ausmacht. Sie ist mit Kratern übersät und erinnert darin an unseren Erdmond.

In der Vergangenheit haben vulkanische Aktivitäten gewaltige Berge entstehen lassen, neben denen der Himalaya niedlich aussieht. Der höchste Marsberg ist 24.000 m hoch. Allerdings gibt es mangels Meer keine Meereshöhe als Bezugsniveau, nur eine „mittlere Oberfläche“. Auch eindrucksvolle Canyons gibt es auf dem Mars, vor denen sich der Grand Canyon verstecken kann.

Bevölkerung:

Die Frage, ob es Leben auf dem Mars gibt, beschäftigt schon lange sowohl die Wissenschaftler als auch die Geschichtenerzähler.

Mars ist tatsächlich nach der Erde der „lebensfreundlichste“ (oder zumindest der am wenigsten lebensfeindliche) Planet unseres Sonnensystems: der kahle Merkur ist viel zu heiß; Venus mit ihrer undurchdringlichen Treibhausatmosphäre ist sogar noch heißer; Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sind sehr kalt und bestehen aus komprimiertem Gas, das in größeren Tiefen unter dem gewaltigen Druck flüssig und dann fest wird, haben aber keine einkliche Oberfläche; Pluto schließlich ist so weit von der Sonne entfernt, dass er von ihrer Strahlung kaum noch etwas merkt.

Gegen Leben auf dem Mars sprechen aber doch die brutalen Temperaturunterschiede. In der sauerstofffreien Atmosphäre und ohne Wasser kann sich Leben im irdischen Sinne sowieso nicht entwickeln – die „grünen Männchen“ bleiben Phantasie. Möglicherweise werden Teile des Marsbodens von widerstandsfähigen Flechten bevölkert.

Gesellschaft:

Mars wird von zwei Monden umkreist, Phobos und Deimos. „Mond“ ist da aber einklich geschmeichelt. Unförmige Felsbrocken sind das, nur wenige Kilometer groß.

Entfernte Verwandtschaft

Nicht weit vom Mars, zwischen Wassermann und Steinbock, steht der Planet Uranus auch gerade in Opposition, der in dunklen, klaren Nächten mit bloßem Auge gerade eben noch wahrnehmbar ist.

Noch weiter westlich, mitten im Steinbock, ist Neptun, der nur im Teleskop sichtbar ist.

Die „schönen“ und bekannten Planeten Jupiter und Saturn stehen gerade ungünstig: Jupiter steht von uns aus fast hinter der Sonne („Konjunktion“ sagt der Astronom) und kann daher gar nicht beobachtet werden. Saturn ist momentan eher etwas für Frühaufsteher, er steht in den Zwillingen und geht morgens auf.

Doch Geduld: Jupiter steht Anfang März 2004 wieder in Opposition, im schönen Sternbild Löwe. Bei Saturn ist es schon Ende Dezember 2003 wieder so weit, in den Zwillingen, mit fast maximaler Ringöffnung. Beide werden sehr gut zu beobachten sein. Für den Saturnring braucht man aber wiederum ein ordentliches Teleskop; in einem sehr guten 10-fachen Fernglas sieht er allenfalls etwas „länglich“aus. Jupiter ist in Opposition so hell wie jetzt Mars; Saturn ist etwas schwächer, aber auch noch auffallend hell.

Software

nach oben