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03. Jun. 2016

Der Weihnachtskomet 2004

AufsuchkarteStern von Bethlehem

Oft wird der „Stern von Bethlehem“ in der Kunst als Komet dargestellt: ein mächtiger heller Fleck am Himmel mit einem langen Schweif.

Das ist zwar historisch nicht ganz richtig (der Stern von Bethlehem war eine Planeten-Konstellation), aber passend finde ich es dennoch, daß dieses Jahr pünktlich zu Weihnachten ein kleiner Komet in Erdnähe kommt und gut zu beobachten ist.

Es handelt sich um den Kometen C/2004 Q2 Machholz, der im Januar eine Steilkurve um die Sonne zieht und dann wieder für Zigtausende von Jahren in den Tiefen des Alls verschwindet.

Was ist zu sehen?

Übertrieben eindrucksvoll wird es nicht sein. Der Komet ist ziemlich klein und lichtschwach, aber mit bloßem Auge dennoch gut als unscharfes Fleckchen mit Schweif zu sehen, wenn man an der richtigen Stelle sucht (Aufsuchkarte).

Von Ende Dezember bis Mitte Januar zieht der Komet westlich des Orion durch den Stier nordwärts und wird dabei immer heller. Am 5. Januar steht er in größter Erdnähe. Am 7. Januar streift sein Schweif über den bekannten Sternhaufen der Plejaden hinweg, auch als Siebengestirn bekannt – ein auffälliges enges Gedränge von Sternen hoch am Südhimmel.

Bei einem so kleinen Kometen wird aber auch der Schweif nur sehr kurz sein – eindrucksvolle Bilder von einem Schweif, der den halben Himmel durchzieht, wird es nicht geben.

Wie beobachtet man am besten?

Obwohl der Komet auch mit bloßem Auge sichtbar ist, empfiehlt sich etwas optische Unterstützung.

Am besten lassen sich helle Kometen mit einem normalen Fernglas beobachten, das im allgemeinen ein zwar kleineres, aber viel helleres Bild liefert als ein (einfaches) astronomisches Teleskop. Gut dafür geeignet sind Ferngläser 7×35 bis 10×50 mit guter, scharf abbildender Optik.

Machholz im November 2004Kometen

Kometen sind zunächst einmal Himmelskörper, die die Sonne umlaufen, wie es auch unsere Erde tut. Jedoch unterscheiden sich Kometen von Planeten in einigen wesentlichen Punkten:

Haarsterne

Was den Kometen ihren Namen gegeben hat (lateinisch „coma“ = Haar), ist ihr auffälliger Schweif, der sich bildet, sobald sie sich der Sonne nähern.

Je näher nämlich der Komet der Sonne kommt, desto stärker ist er dem von der Sonne ausgehenden Partikelstrom ausgesetzt, dem sogenannten Sonnenwind. Gleichzeitig sorgt die Sonnenstrahlung dafür, daß sich der Komet langsam erwärmt. Dabei verdampft ein Teil seines Eises, der Komet beginnt zu „gasen“. Dieses Gas, das den Kometen wie eine Wolke umgibt, wird vom Sonnenwind mitgerissen, und zwar immer in Richtung von der Sonne weg. So entsteht – etwas vereinfacht – der Schweif eines Kometen.

Berühmte Kometen

Komet Halley

Die meisten Kometen werden nur einmal gesehen und verschwinden dann wieder, weil sie ewig lange Umlaufzeiten haben. Nur sehr wenige Kometen sind so bekannt wie der berühmte Komet Halley, der wohl schon seit Tausenden von Jahren treu alle 75 bis 80 Jahre in die Nähe der Sonne (und damit auch der Erde) kommt, um darauf wieder in den Tiefen des Sonnensystems bis hinter die Neptunbahn zu verschwinden. 1986 war er zum letztenmal hier, aber leider am Nordhimmel nicht sehr gut sichtbar. Wenn ich 93 Jahre alt werde, sehe ich ihn 2061 noch einmal.

Benannt werden Kometen üblicherweise nach ihrem Entdecker. Unser diesjähriger Weihnachtskomet wurde am 27. August dieses Jahres von Donald Machholz entdeckt (ein wahrer Kometenjäger – dies ist schon sein zehnter Komet!). Nur der Halleysche Komet ist eine Ausnahme von dieser Regel – er wurde nach Edmond Halley (1656–1742) benannt, der als erster entdeckte, daß unterschiedliche historische Beobachtungsberichte alle auf denselben Kometen zurückgehen, dessen Bahn er 1705 richtig berechnete und die nächste Wiederkehr für 1758 voraussagte. Das traf auch ein, leider hat es Halley nicht mehr erlebt.

Andere Kometen werden erst durch ihren Tod berühmt, wie der Komet „Shoemaker-Levy 9“, der 1994 zu dicht an Jupiter vorbeizog, von dessen Schwerefeld „eingefangen“ wurde und gleich darauf in mehr als 20 Trümmer zerbrach, die dann in einem spektakulären Inferno in die Atmosphäre des Riesenplaneten einschlugen.

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