einklich.net  > Spaß > Astronomie

03. Jun. 2016

Der Venustransit 2004

Das Ereignis

Sonne und Venus

Was sein wird

(Geschrieben am 5. Juni 2004)

Das hat es seit über 120 Jahren nicht gegeben: unser innerer Schwesterplanet, die Venus, wandert am 8. Juni 2004 als schwarzes Pünktchen vor der Sonne entlang! Klaren Himmel vorausgesetzt, kann man das unauffällige, aber seltene Schauspiel von 7:20 Uhr bis 13:20 Uhr von Deutschland aus problemlos verfolgen.

Etwa alle zwei Jahre steht Venus in Unterer Konjunktion, also zwischen Erde und Sonne. Aber da die Bahn der Venus gegen die Erdbahn etwas gekippt ist, steht sie dabei meistens „über“ oder „unter“ der Sonne. Dass sie genau trifft, ist sehr selten und hat im letzten Jahrhundert zum Beispiel überhaupt nicht stattgefunden.

Wie man es beobachtet

Bei ungefähr 10-facher Vergrößerung (Fernglas) wird es am 8. Juni so wie hier gezeigt aussehen. Die Größen von Sonne und Venus sind maßstabsgetreu. Die grauen „Sonnenflecken“ auf der Sonnenscheibe sind nur Dekoration; ob am Dienstag welche da sind und wie sie aussehen, weiß ich noch nicht :)

Auch mit bloßem Auge ist Venus vor der Sonne als winziger schwarzer Krümel zu erkennen. Wer noch eine Sofi-Brille von 1999 hat, kann sie jetzt wieder gut gebrauchen. Vorher prüfen, ob sie noch keine Löcher in der Folie hat.

Richtige Sonnenfilterfolie („Baaderfolie“) ist für wenige Euro beim Optiker oder im Fotoladen erhältlich. Das sollten dir deine Augen wert sein. Improvisierte Filter wie geschwärzte Filme, CDs oder Rettungsfolie filtern nicht zuverlässig und machen das Bild außerdem sehr unscharf.

Wer keine Filterfolie hat, kann das Bild der Sonne auch mit einem Teleskop oder Fernglas auf eine weiße Wand, ein Stück Papier etc. projizieren. Ausprobieren – das geht gut und ist völlig gefahrlos!

Und wo ist der Witz?

Abgesehen davon, dass solche Ereignisse beweisen, dass Venus um die Sonne kreist und nicht um die Erde (man weiß natürlich heutzutage, dass sie das tut, aber dann kann man es mal sehen!), haben Venusdruchgänge einen sehr praktischen Nutzen: Man bestimmt damit die genaue Entfernung von der Erde zur Sonne.

Aus exakten Beobachtungen der Ein- und Austrittszeiten und der „Spur“ der Venus auf der Sonnenscheibe von zwei verschiedenen Orten aus kann man nämlich die Abstände von Sonne, Venus und Erde genau ausrechnen. Das hat man zum ersten Mal bei den Transiten im 18. Jahrhundert gemacht.

Auch dieses Jahr werden zahlreiche Messdaten gesammelt, um den Abstand von Sonne und Erde noch genauer bestimmen zu können: Venus als Erdbahn-Vermessungsstation! Mehr davon bei vt-2004.org.

Was zu sehen war

Hier sind die Daten der vier Kontakte, ergänzt durch meine Beobachtungen. Zeitunsicherheit ± 10 Sekunden. Beobachtungsort: Steinheim am Albuch, 48,683° Nord, 10,067° Ost.

Uhrzeit (Vorhersage)Uhrzeit (meine Beobachtung)KontaktEreignis
07:20 Uhr07:21:15 Uhr11. KontaktVenus berührt die Sonnenscheibe von außen. Beginn des Durchganges
07:40 Uhr07:38:00 Uhr2. KontaktVenus löst sich innen vom Sonnenrand. Nun steht sie vollständig vor der Sonnenscheibe
13:04 Uhr13:04:35 Uhr3. KontaktVenus berührt den Sonnenrand wieder von innen und beginnt die Sonnenscheibe zu verlassen
13:23 Uhr13:23:00 Uhr4. KontaktVenus löst sich außen vom Sonnenrand. Ende des Durchganges

1 Zeit in diesem Fall ± 20 Sekunden. Der erste Kontakt ist am schwierigsten zu beobachten; sobald man „was sieht“, ist es zu spät

ausführlicher Bericht

Nächster Venustransit

Auf den nächsten Venustransit müssen wir nicht so lange warten, in acht Jahren ist es wieder so weit, am 6. Juni 2012. Dann wird Venus über die obere Sonnenhälfte laufen. Allerdings ist in Europa dann tiefste Nacht; wer den Transit beobachten will, muss in den Fernen Osten reisen. Und wer auch den verpasst, muss sich bis zum 11. Dezember 2117 gedulden.

Daten über Venus

Venus

Größe:

Venus ist mit 12100 km Äquatordurchmesser ein wenig kleiner als die Erde (12756 km). Im Aufbau ist sie der Erde so ähnlich, dass man von Schwesterplaneten spricht.

Kalender:

Ein Venusjahr dauert 224 Erdentage. Venustage gibt’s allerdings fast keine, denn Venus rotiert äußerst langsam (243 Erdentage) und dann auch noch falschherum, nämlich von Ost nach West. Ein Beobachter auf der Venus sieht während eines Venusjahres zweimal im Westen die Sonne aufgehen ... das heißt, er sähe sie aufgehen, wenn ... siehe nächster Abschnitt.

Wetter:

Venus ist von einer dichten Wolkenhülle umgeben, die niemals aufreißt. Deshalb können weder wir die Venusoberfläche sehen noch unser Venusbesucher die Sonne – aber deshalb strahlt Venus auch so hell vom Himmel. Unter der Wolken-Käseglocke herrschen permanent Temperaturen von etwa 500 °C. Das liegt nicht nur an der Nähe zur Sonne, sondern vor allem daran, dass die Atmosphäre fast nur aus dem Treibhausgas CO2 besteht.

Vielleicht war Venus auch mal bevölkert, und dann sind alle Klimagipfel gescheitert ...

Bevölkerung:

Leben im irdischen Sinne ist unter den Bedingungen auf der Venus undenkbar. Nicht einmal Mikroben könnten es dort aushalten.

Gesellschaft:

Venus hat keine Monde, sie kann nur ihren Nachbarplaneten ab und zu zuwinken. Winken wir also am Dienstag zurück. Achtung: Das Winken braucht für die Strecke von 43 Millionen Kilometern etwa zweieinhalb Minuten, also etwas eher winken.

nach oben