einklich.net  > Spaß > Astronomie > Beobachtungsberichte

03. Jun. 2016

Beobachtungsberichte

Bericht vom 13. August 2003

Eight hours ago, dunstig und Vollmond - beste Bedingungen, mein frisch ge-ebaytes Russenfernglas einzuweihen :)

Bei mir ein 17-Jähriger (ist gerade zu Besuch) ohne jede Ahnung am Sternhimmel. "Wo ist der Große Wagen?" Für solche Übungen sind Vollmondnächte latürnich ideal. Nachdem er dessen Bekanntschaft gemacht hatte, meine Standardfrage, ob ihm am mittleren Deichselstern etwas auffalle: "Ja, das sind irgendwie zwei ..." Mit bloßem Auge in diesem Seeing, gar nicht schlecht.

Ich wundere mich nur immer wieder darüber, daß sich jeder Anfänger darüber wundert, daß der Polarstern ja gar nicht sooo hell ist. Wer hat denn das verd***t noch mal jemals behauptet? Oder wird mit "polar" einfach "gleißend" assoziiert?

"Und nun schauen wir uns mal den Mars an ..." - (erstaunt) "Kann man den sehen?" - "Und wie!" Reihenfolge der Planeten wiederholt. "Mars ist unser nächster Nachbar nach außen, und den überholen wir gerade auf der Innenbahn. Wunderschön sichtbar, so nah waren wir lange nicht mehr dran." - "Was ist denn das Helle da links neben dem Mond?" - [grins]

Faszinierend finde ich ja, daß Mars mit steigender Helligkeit immer gelber wird. Rot kann man das kaum noch nennen. Ich bildete mir ein, im 10×50 ein Scheibchen zu sehen, aber das liegt wohl eher an der Optik, die zwar Kronos, aber nicht Zeiss heißt :) Immerhin, 24 Bogensekunden müßten doch einklich gerade so aufzulösen sein. Theoretisch. Bei dem Kontrast ist das latürnich brutal und aus der Hand wohl unmöglich.

Also erst mal das Doppelläufige auf unseren Nachbarn in 1 Lichtsekunde gerichtet. Eigenartig, der Anblick des Mondes im Rohr - so vertraut und dennoch immer wieder so faszinierend.

Als nächstes nach CdC-Ausdruck Uranus gesucht (5m7) und im Glas gefunden, dicht am Vollmond, kleines bläuliches Pünktchen, blaß, aber deutlich.

Mittlerweile hatte mein Begleiter einige Sternbilder entdeckt, d.h. einige Gruppen von Sternen, zu denen er gern die Namen hätte. Cassiopeia, Kleiner Wagen. Viel ist bei Vollmond am Sommerhimmel ja leider nicht zu sehen.

Dann peilte ich mit dem Glas M31 an: problemlos, zwar wenig Kontrast vor dem Vollmondhimmel, aber einwandfrei sichtbar und auch für meinen unerfahrenen Freund nach Anleitung aufzufinden. "Das Einzige außerhalb unserer Galaxis, das man mit bloßem Auge sehen kann. " - "Und da waren wir noch nicht?" - "Nein, 2 Millionen Lichtjahre ist etwas weit." - "Aber mit Warp-Antrieb ..." - "Der schafft auch nur zehnfache Lichtgeschwindigkeit, da brauchst du immer noch 200.000 Jahre." - "Oh." (Anmerkung: Mittlerweile hat man mir erklärt, dass das nicht stimmt.)

Albireo mißlang mir allerdings vollständig. Oder ich konnte das Glas nur nicht mehr ruhig halten. Der Schwan war aber auch immer von einem widerlichen Wolkenfetzen überschleiert. Muß witzig ausgesehen haben, wie ich auf dem Asphalt des Fußwegs lag und angespannt in den Himmel linste.

Für meinen Kompagnon war das sowieso kein Schwan, sondern ein Drachen. "Sieht man doch."

Also dann ein anderes farbschönes Objekt: µ'Granatstern'Cephei, fast genau über uns. Traumhaft, die tiefrote Funzel, 1500 Lichtjahre weit. Noch nicht wirklich eine Entfernung, aber auch schon nicht mehr so recht vorstellbar.

Langsam waren wir müde genug zum Wieder-Reingehen. Aber wenn der Mond sich wieder vom Himmel verabschiedet hat, wiederhole ich die Übung :)