einklich.net  > Spaß > Astronomie > Beobachtungsberichte

03. Jun. 2016

Beobachtungsberichte

Mini-Beobachtungsbericht vom 20. September 2003

Mojn,

mit einem 12-Jährigen aus meiner Jungschargruppe habe ich mich schon öfters über Astronomisches unterhalten (und ich meine damit nicht das Soll meines Bankkontos). Heute abend habe ich ihn dann mal spontan für eine kleine Spechtelei besucht. Er hat eine grasige Anhöhe direkt vorm Haus, wenn auch mit Siedlungen drumherum, aber freier Blick zu allen Seiten.

Beteiligte Personen: Besagter Junge, sein 10-jähriger Bruder und meine Wenigkeit.
Beteiligte Geräte: ein leider unbrauchbares Fernglas aus ihrem Haus und mein Kronos 10×50.
Zeit: 20.9., 22:30 bis 23:30 Uhr.

Eingangsfrage: "Wie viele Sternbilder kennt ihr?" - "Den Großen Wagen, den hab ich in unserer Ferienwohnung nachts immer durchs Fenster gesehen." Immerhin.

Wir legten uns auf zwei Isomatten und ließen die schimmernden Punkte auf uns wirken. Im Zenit grüßte der Schwan, den ich ihnen schnell erklären konnte; zwei Angehörigen einer christlichen Jungschargruppe erschließt sich die Kreuzesform natürlich leicht :)

Die Milchstraße fiel dem Jüngeren zuerst ins Auge. "Boah, ist die hell!" War sie aber wirklich heute nacht. Ich erklärte ihnen, wie sie zustande kommt, daß wir uns mit der Sonne in einem riesigen scheibenförmigen Gebilde aus Millionen von Sternen befinden, und daß dieses Band nichts anderes ist als die Scheibe von innen. Vielleicht konnten sie sich's vorstellen.

Dann gingen wir zum Adler hinüber, der schon recht tief stand, aber auch noch gut "vorstellbar" war (womit ich meine, daß sie sich einen Adler darin vorstellen konnten). Delphin und Pfeil dazwischen waren auch schnell gefunden, sind ja auch einprägsam. Dann ließ ich sie mal den Pfeil durch mein Fernglas betrachten (er paßt gerade ins Sichtfeld) und staunen, wie viele Sterne man dort sieht.

In welchen Himmelsgegenden sie aber zwischendurch immer wieder den Großen Wagen entdeckten, ließ mich an der eingangs zitierten Aussage zweifeln :) Als ihn ihnen aber den richtigen zeigte, erkannten sie ihn gleich wieder.

Zuvor hatte ich ihnen auf CdC-Ausdrucken in etwa die Gegenden gezeigt, die wir durchmustern wollten, und der Ältere fand von Albireo ausgehend den "Kleiderbügel" im Fernglas auf Anhieb. Gutes Gedächtnis! Aber das blieb nicht das einzige Staunenswerte für mich.

Nachdem Deneb und Atair bekannt waren, zeigte ich ihnen noch Wega mit dem Hinweis, ein kleines Stück "darüber" stehe ein Stern, der etwas Auffälliges habe. Erst wußten sie nicht, was und wie weit ich meinte, aber sie sollten selbst drauf kommen. Ich ließ sie dabei auch das Glas benutzen, was aber Ungeübte eher verwirrt - man hat das Gefühl für die Winkelentfernungen noch nicht "drin".

Die Mühe hätte ich mir aber gar nicht machen müssen. Nach kurzer Zeit verkündete der Ältere mit felsenfester Sicherheit: "Da ist ein Stern, der ist geteilt, da geht eine dunkle Linie mitten durch, seh ich genau." Schluck, hat der Junge Augen! ε Lyrae mit freiem Auge getrennt, ohne vorher zu wissen, worum es geht!

Ich erzählte ihnen dann, was ein Doppelstern ist, daß es viele davon gibt, und daß dieser sogar vierfach ist. Staunen.

Dann sind wir auf den Isomatten herumgeschwenkt, Blick nach Osten. Ich zeigte ihnen Cassiopeia und Andromeda. Ohne starke Taschenlampe oder Laserpointer ist das Erklären immer ein wenig schwierig, aber schließlich hatten wir M 31 im Visier. "Was siehst du da?" - "Ich weiß nicht, sieht aus wie ein Stern, aber irnkwie umscharf ..."

Nachdem ich ihnen unsere Milchstraße schon erklärt hatte, konnte ich ihnen ja sagen, daß das das nächste Milchstraßensystem ist, größer als unseres, und das Einzige außerhalb unserer Milchstraße, das man mit bloßem Auge sehen kann. Staunen.

Dann versuchte ich, ihnen eine kleine Vorstellung von den sprichwörtlichen astronomischen Entfernungen zu geben. "Das mißt man am besten mit der Lichtlaufzeit. Die Sonne ist acht Lichtminuten weit weg, also so weit, daß das Licht dafür acht Minuten braucht." Dann ließ ich sie schätzen, wie weit die "normalen" Sterne weg sind. Ein paar Tage? Wochen? Monate? Mehr trauten sie sich fast gar nicht zu fragen :) Aber Zeiträume von hundert Jahren, was als grobe Größenordnung ja brauchbar ist, sind für Kinder in dem Alter durchaus vorstellbar.

Die zwei Millionen Lichtjahre bis zum Andromedanebel freilich sind auch für mich schon nicht mehr recht vorstellbar.

Ob da auch ein Schwarzes Loch in der Mitte sei? Und was ist, wenn das die Erde aufsaugt? Na, der kann ja Fragen stellen. Ich konnte ihn aber dahingehend beruhigen, daß ein SL nur dann gefährlich wird, wenn man ihm zu nahe kommt, und es uns ansonsten nicht stärker anzieht als die normalen Sterne drumherum auch.

Der Jüngere wedelte zwischendrin immer wieder aufgeregt nach Osten: "Der kleine Wagen, der kleine Wagen!" Da ging das auf, was sehr oft für den kleinen Wagen gehalten wird!

Ich ließ sie die Stern-Anzahl des vermeintlichen Kleinen Wagens schätzen ("so acht bis zehn") und dann durchs Fernglas blicken. Beeindruckte Begeisterung. "Boah, sind das viele!" Erklärte ihnen, was ein Sternhaufen ist. "So wie der Kleiderbügel!" - "Genau."

Langsam wurden die beiden müde (gegen ihren Willen), und es wurde Zeit für das Highlight. Ich zeigte ihnen den nebligen Flecken zwischen Cassiopeia und Perseus - erst mit bloßem Auge finden, dann durchs Fernglas sehen. Durchschlagende Wirkung! Gebannte Faszination breitete sich aus! Dieser wunderschöne "Sternhaufenhaufen" ist als Fernglas-Objekt aber wirklich schwer zu schlagen. Der Doppelhaufen h+χ, die weiteren, lockeren Haufen drumherum und die "Lichterketten" dazwischen verfehlten die Wirkung nicht.

Dann brachen wir die Zelte ab, und ich schob zwei müde, aber begeisterte Jungs heimwärts, deren Hauptproblem nur noch in der Frage bestand, wer mit den CdC-Ausdrucken nun sein Zimmer schmücken darf.

Soweit für meine heutige Nachwuchsarbeit. Sollte es hier oder da zu albern geschrieben sein, liegt das in der Natur der Sache.

nach oben