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03. Jun. 2016

Beobachtungsberichte

Beobachtungsbericht vom 16. Mai 2004

Hi Leutz,

Fastenzeit: Nach fast ununterbrochenen fast zwei Wochen mit fast
keinem Stern am Himmel war der Abend heute fast eine Offenbarung ...

Ort:      Parkplatz Segelflugzentrum Hornberg, 700 m.ü.NN
Zeit:     16.05.2004, 22:30 bis 24:00 MESZ
Werkzeug: Kronos Fernglas 10×50
          Optus Low-Cost-Newton 76/700 mit Huygens 20 mm und 12,5 mm

Hauptthema war latürnich die Auffindung und Bewunderung von C/2001Q4
NEAT. Das milchige Fleckchen war in der späten Dämmerung vor
dunkelblauem Himmel schon klar im Fernglas sichtbar, die Helligkeit
schien mir in etwa mit der von M44 vergleichbar, ist aber bei so
flächigen Objekten schwer zu schätzen, da fe lt mir die Erfahrung.

Der Komet stand in der Fortsetzung einer auffälligen Reihe von
Sternen 6. Größe (BD+24 1931/1940/1946/1955) und bildet, wenn ich es
mir richtig eingeprägt habe (*notier* CdC aufs Notebook und
mitnehmen), mit dem letzten Stern dieser Reihe und gamma Cancri ein
rechtwinkliges Dreieck, wonach seine geschätzten Koordinaten etwa
18h41/+24° sein dürften.

Mit bloßem Auge ließ sich wegen der Horizontnähe nicht viel sehen,
auch M44 war nur unscheinbar zu ahnen. Kann aber auch an meinen
Augen liegen. Doch die Klarheit im Fernglas entschädigte das
vollauf.

Mit zunehmender Dunkelheit wurde der Schweif sichtbar, im Fernglas
schöner als im Reflektor. Zwar blieb der Kontrast bescheiden (Mehr
Öffnung!!11), aber ich bildete mir ein, den Schweif auf 1° Länge zu
sehen, gerade und von der Sonne abgewandt (wie sich das gehört). Im
Reflektor entspricht das dem Gesichtsfelddurchmesser des
20-mm-Huygens, wobei der Kopf des Kometen ähnlich aussah wie M13,
allerdings deutlich heller :)

Ein paar Weitfeldfotos vom Stativ probierte ich auch, ohne
Nachführung allerdings ... in ein paar Tagen sehe ich, was daraus
geworden ist :) (Nachtrag: Das ist draus geworden)

Ein Blick mit dem Optus auf Saturn bestätigte mir, daß der Kontrast
zwar nicht umwerfend, aber die Luft klar und ruhig war: Trotz
Horizontnähe stand der Ring schon bei 35-fach zwar winzig, aber
deutlich vom Planetenkörper getrennt und ganz ruhig im Bild.

Womit ich bei den Nebenschauplätzen wäre. M13, recht hoch stehend,
war indirekt mit bloßem Auge zu sehen. Im Reflektor stand der
strahlend helle Fleck sehr klar und deutlich in seinem üblichen
flachen Dreieck mit den zwei Nachbarsternen; in Einzelsterne löst
sich bei dem bißchen Öffnung natürlich noch nichts auf. Mit Schweif
hätte es ein Komet wie NEAT sein können ... und genau deshalb hat
Messier ja seine Liste mit Ganzsichernichtkometen angefertigt, in
der dies Nummer 13 ist.

Nebenan in der Leier ereignete sich heute die Premiere, daß Volker
zum ersten Mal den Ringnebel M57 ohne drucktechnische Umwege mit
eigenen Augen sah. Ich erwartete nicht wirklich, etwas Sinnvolles zu
finden, da ein Low-Cost-Newton wirklich kein Deep-Sky-Instrument
ist, aber scannte mit dem Mist-Opti mal optimistisch die Gegend
zwischen beta und gamma Lyrae ab, ohne zu wissen, wo exakt ich den
Nebel einklich zu suchen habe. Und da stolperte ich doch tatsächlich
über ein ringförmiges Fleckchen, schwach aber deutlich, leicht
bräunlich erscheinend, das bei allem Fokussieren deutlich kein Stern
war und in der Mitte eines 0,5° großen gleichschenkligen
Sternendreiecks stand (BD+32 3242/3250 und BD+33 3245) - bingo.

Ähnlich präsentierte sich M27, der Hantelnebel, seit letzten August
nicht mehr gesehen: deutlich planetarisch, eher gelblich wirkend,
die Hantelform war aber nicht zu erkennen. Der Größe nach habe ich
überhaupt nur die allerhellsten Teile von ihm erkennen können, aber
der komplette Nebel mit immerhin fast 400 Bogensekunden Durchmesser
wird einem so kleinen Instrument wohl ohnehin verborgen bleiben.

Mittlerweile ging im Südosten der Skorpion auf, und Antares, der
aufgehende Gegenmars, stand dem untergehenden echten Mars
tatsächlich fast gegenüber :) Leider ist der Skorpion bei uns nie
vollständig zu sehen. Zu den eindrucksvollsten Eindrücken meines
Israel-Besuchs anno '88 gehört der Anblick des Skorpions hoch am
Himmel ... ein Sternbild, gegen dessen Schönheit sowas wie Orion
gleich einpacken kann.

Bemerkenswert hell leuchtete heute abend die Milchstraße im Schwan,
die auch einem ungeübten Himmelsbetrachter aufgefallen wäre.
Dennoch, es wurde Zeit. Ein Abschiedswinken an Antares, und
heimwärts ...

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