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03. Jun. 2016

Beobachtungsberichte

15. März 2005 (Merkur et al.)

vorgestern habe ich ihn schon gesehen, aber leider kein Instrumentarium
dabei gehabt.

Das sollte sich einklich gestern schon ändern, aber da war es abends
bewölkt. Um so klarer war es heute, also los!

Instrumente: Jeremias (Vixen NP-R114S, 114/900)
               mit PL25, PL6.5 und SR4
             Mili-Terry (Fernglas 10×50)

Teilnehmer:  Florian W., 12 Jahre, befreundeter Sterngucker
             meine Wenigkeit
             Laufkundschaft, siehe Text

Holte Florian um 18:20 Uhr zu Hause ab, und wir bauten uns auf einem
flachen Hügel am Ostende der Stadt auf, freien Blick nach Westen habend.

Ich erklärte ihm, daß wir Merkur jetzt erst einmal suchen müßten, daß
das zwar ein ziemlich heller Stern, aber dennoch schwierig zu finden ist,
und warum der so blöd ausgerechnet am hellsten Fleck des Himmels steht.

Aufgrund nur ungefährer Orientierung bezüglich Höhe und Azimut waren wir
etwa zehn Minuten erfolglos, die sich aber anderweitig füllen ließen,
gegen die Langeweile: die Mondsichel wurde aufs Korn genommen, und Saturn
war auch schon draußen. Beide sorgten seitens Florian für andächtiges
Staunen - Saturn stand auch wirklich schön ruhig für den Abend eines so
warmen Tages, der die Troposphäre sicher etwas durcheinandergebracht hat.
225-fach war machbar und zeitweise sogar richtig scharf, mit klar
sichtbarem Planetenschatten auf dem Ring und Teilung.

Mittlerweile hatten sich noch zwei weitere Jungs aus der Nachbarschaft
angefunden, vielleicht acht und neun Jahre alt (hab sie nicht gefragt),
die es offenbar sehr merkwürdig fanden, daß zwei Gestalten ein Teleskop
aufbauten und dann suchend in den Himmel gafften, und uns
dementsprechend eine Zeitlang spöttelnd umkreisten ("die suchen wohl
das Klo an der Milchstraße! ").

Schließlich wandte sich der Mutigere an mich: "Da sieht man doch gar
nichts!" - "Och, da ist der Mond - den wirst Du auch schon entdeckt
haben - und der Stern da ist der Saturn ..." - ihre Einstellung uns
gegenüber drehte sich um ziemlich genau 180 Grad, natürlich wollten sie
mal durchgucken, und auch bei ihnen zeigten Mondkrater und Saturnringe
die übliche Wirkung.

Da kam Florian angerannt: "Ich hab ihn, ich hab ihn!" Ja, er hatte Merkur
entdeckt, aber auf dem Weg zu uns leider auch wieder verloren. Immerhin
wußte er jetzt, in welcher Richtung er zu suchen hatte, und eine Minute
später war Jeremias ausgerichtet und das 6,5er-Plössl drin. Florian durfte
kraft seines Amtes als Entdecker natürlich zuerst. "Das ist ja 'n
richtiger Halbmond!"

Schön war das Bild nicht. Ein Newton ist einfach kein Instrument für
kleine helle Planetenscheibchen ... aber das acht Bogensekunden große
Halb-Scheibchen war, Beugungsstrahlen abgezogen, tatsächlich schön zu
sehen, für so geringe Höhe sogar erstaunlich gut.

Die drei Jungs verstanden auch schnell, wie die Merkurphasen zustandekommen.
Der Mond stand ja auch da und half bei der Vorstellung :) Einer von ihnen
hatte übrigens zwischenzeitlich sein Fernglas geholt und bestrachtete
damit andächtig den Mond und die umliegenden Sterne, besonders schön
waren natürlich die Plejaden direkt daneben.

Unsere beiden Zaungäste staunten dann noch über die nach und nach
heraustretenden Sterne (offensichtlich waren sie bislang der Meinung
gewesen, die Sterne würden alle auf einmal eingeschaltet, sobald es
dunkel ist), wobei der arme Orion von ihnen abwechselnd für den Großen
Bären und die Fische gehalten wurde. Sirius wollte dann auch noch
bespechtelt werden, obwohl ich ihnen gleich klarmachte, daß das auch
im Teleskop einfach nur ein heller Stern und nichts weiter sei :)

Sehr schnell löste sich die Gemeinschaft auf ("also ich muß jetzt!°),
und weg waren sie, ohne daß wir uns überhaupt richtig vorgestellt oder
erneut verabredet hatten. Aber so sind Kinder nun mal. Brachte Florian
nach Hause, wo er sicher einiges zu erzählen hatte, und freue mich auf
das nächste Abenteuer in dieser Richtung ...

Eventuell sollte ich doch mal das "K" im Namen meiner Astrostation in
"Kinder-" umdeuten.

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