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Spielregeln auf Flugplätzen

Landendes Segelflugzeug Landendes Segelflugzeug: Ausweichen impossible! Flugplatz - Betreten verboten Alt, aber gültig … Flugplatz - Betreten verboten Auch wenn ein Weg rübergeht, sogar ein asphaltierter: Bei Flugbetrieb ist gesperrt! Flugplatz - Betreten verboten

„Ach komm, da kann doch nichts passieren ...“

Familie K. ist auf einer Tageswanderung in der Schwäbischen Alb. Das Wetter ist wunderschön, wolkenloser Himmel und klarste Sicht. Sie wollen auf einem Aussichtspunkt Rast machen. Irgendwo haben sie den Weg verfehlt und gehen nun nach Karte querfeldein – vorsichtig natürlich, man will ja keine Saaten zertrampeln. Ist ja auch viel schöner so, direkt in der freien Natur! Der achtjährige Colin freut sich, er mag Schmetterlinge sehr gern, und so viele wie hier in der Wiese hat er noch nie gesehen.

Auf einmal steht Familie K. vor einem Schild „Flugplatz – Betreten verboten – Lebensgefahr“. Typisch deutsch, alles zu verbieten! Vor ihnen ein hundert Meter breiter Streifen gemähtes Gras, die Rückseite eines ebensolchen Schildes, dann wieder Wildwiese, und da hinten leuchtet auch schon die weiße Felsklippe für das Mittagessen in der Sonne. Man schaut nach links, nach rechts: ah, rechts ist der Flugplatz, die Asphaltbahn schimmert, aber vor ihnen ist nur noch Grün. Ob das wirklich noch zum Flugplatz gehört? Ein Flugzeug brummt über den Asphalt, hebt ab und überfliegt den Grasstreifen in mindestens 30 Meter Höhe. Na, da kann doch wohl nichts passieren, wenn man vorsichtig rüberläuft, die Flugzeuge sind ja hoch genug!

Familie K. hat ein Drittel des Grasstreifens hinter sich, Colin läuft schon voraus, auf die jenseitigen Schmetterlinge zu, als es wieder brummt: ein Segelflugzeug wird von einem Motorflugzeug hochgezogen. Die Wanderer bleiben stehen und schauen fasziniert zu, so was sieht man nicht alle Tage. Gleich fliegt der Schleppzug über sie hinweg – da macht es plötzlich „Tschack!“

Das Schleppseil ist gerissen! Und zwar ordnungsgemäß an der Sollbruchstelle, die ganz hinten am Segelflugzeug sitzt. Das Seil hängt von der Schleppkupplung des Motorflugzeugs herunter bis auf den Boden, das hin und her peitschende Ende bewegt sich, vom Schleppflugzeug immerhin mit 120 km/h gezogen, auf den vor Schreck versteinerten Colin zu und saust knapp an ihm vorbei. Gott sei Dank.

Dabei achtet keiner mehr auf das Segelflugzeug, dem nach dem Seilriß nichts anderes bleibt, als aus zwanzig, dreißig Meter Höhe zu landen. Kein Problem, das wird in der Ausbildung zigfach geübt, dicht am Boden heißt Landung geradeaus, also: Bremsklappen ziehen, Nase runter – erst jetzt bemerkt der Pilot die Familie auf dem Gras, bislang war sie für ihn nicht zu sehen. Scheiße! fährt es ihm durch den Kopf: das Kind steht genau da, wo er landen muß, und der linke Flügel würde die Erwachsenen erwischen, eine Umkehrkurve ist in so geringer Höhe unmöglich, ihm bleibt nur ein Ausweichversuch, aber dafür ist er zu langsam, sobald er den Gegenwind verliert, aber was bleibt ihm übrig, er zieht also nach rechts, ein bißchen zu stark, er verläßt die gemähte Fläche, da kippt der rechte Flügel ab, sackt durch, bleibt mit der Spitze im Gebüsch hängen, Sekunden später kracht das Flugzeug Nase voraus auf den Boden, Trümmer wirbeln durch die Luft, leblos hängt der Pilot in den Gurten …

Und am nächsten Tag steht in der Zeitung, daß sich mal wieder gezeigt hat, wie gefährlich doch die Fliegerei ist und daß man den Flugplatz endlich schließen soll. Familie K., die den Unfall verursacht hat, wird in den Kommentaren zum unschuldigen Opfer der himmelsüchtigen Spaßflieger.

Diese Geschichte habe ich erfunden und hoffe, daß sie nie passiert. Segelflieger haben mir versichert, daß ein Seilriß im Flugzeug-Schlepp praktisch ausgeschlossen ist. Davon abgesehen ist meine Horrorgeschichte aber realistisch. Und für den Startabbruch kann es ja auch noch andere Gründe geben. Da reicht ein unerfahrener Fluggast, der versehentlich die Seilauslösung zieht.

Flugplatzgrenze

Flugplatz-Regeln sind zu deiner Sicherheit da!

Flugplätze üben auf viele Leute eine verständliche Faszination aus. Versteh ich, mir geht’s nicht anders. Aber auch am Boden gilt: Die Gefahren, die die Fliegerei nun mal mit sich bringt, werden zwar durch entsprechende Spielregeln entschärft, aber die können nur funktionieren, wenn sie eingehalten werden. Wenn Du berechtigterweise erwartest, daß der Pilot Deines Mallorcafliegers sich an die Vorschriften hält, dann halt Du Dich bitte auch daran.

Auch wer sich zum Beispiel als Gast oder Mitflieger auf einem Flugplatz aufhält, sollte gewisse Grundregeln verinnerlichen und beherzigen. Es ist nicht schwer.

Betretungs-Regeln

Vorfahrtsregeln

Cockpitsicht Blick aus dem Cockpit eines rollenden Flugzeuges: Nach vorn rechts hat der Pilot keine Sicht!

Die drei Vorfahrtsregeln auf einem Flugplatz sind recht einfach:

  1. Flugzeuge haben Vorfahrt.
  2. Flugzeuge haben Vorfahrt.
  3. Flugzeuge haben Vorfahrt.

Die Gründe dafür sind etwas vielfältiger und hoffentlich gut zu verstehen:

Das bringt uns nahtlos zum nächsten Punkt:

Vorsicht vor Propellern

… oder von mir aus auch Luftschrauben. Die Dinger sind tückisch. Man hört sie gut, aber man sieht sie kaum, wenn sie rotieren – man sieht fast nur, daß kein stehender Propeller zu sehen ist.

Man muß sich mal klarmachen, daß ein Propeller die gesamte Kraft erzeugt, die dafür nötig ist, das Flugzeug in wenigen Sekunden auf Fluggeschwindigkeit zu beschleunigen und dann in die Luft zu ziehen. Das macht der wie eine rotierende Tragfläche: an seiner Vorderseite verkleinert er den Luftdruck, an der Rückseite vergrößert er ihn. Folge: Vor dem Propeller, dessen scharfkantige Blätter mit mindestens 800 U/min rotieren, entsteht auch im Standgas schon ein deutlicher Sog zum Prop hin … den Rest kannst Du Dir ausmalen.

Aber da ist doch so viel Wiese drumherum ...

Und die wird bitte nicht fürs Picknick benutzt. Auch wenn sich dort normalerweise nichts tut, so wird sie doch als Sicherheitszone gebraucht: