Das heißt natürlich nicht, daß die Standfläche dem Hebelarm der Teleskopantenne nicht gewachsen wäre. Vielmehr ich selbst war umgeworfen, als ich erstmalig am Abstimmknopf meines neuen E5 drehte: unmerklich und praktisch ohne hörbare „Löcher“ glitt die Frequenz auf und ab, richtig analog fühlt sich das an. So macht das Wellenjagen wieder mal richtig Spaß!
Aber der Reihe nach.
Der E5 wird unter den Marken Etón und Lextronix angeboten und kostet etwa 120 €. Technisch ist er dem Degen DE1103 so ähnlich, daß er von vielen für einen Klon mit anderer Oberfläche gehalten wird. Angeblich sollte er ursprünglich als DE1106 auf den Markt kommen. Das kann gut sein. Auf die in meinen Augen alberne Pseudoanalogskala des DE1103 hat man zugunsten einer aufgeräumten Oberfläche verzichtet. Gut so.
Davor hatte ich auch das hochgelobte Sangean-Spitzenmodell ausprobiert, den ATS-909. Aber so viel der auch kann: er gefiel meinen Händen nicht. Zu klobig das Gerät, zu hakelig waren die Knöpfe zu finden, im Dunkeln gar nicht, weil nur das Display leuchtet, und das Gehäuse wirkte auf mich – mit der gebotenen Verbeugung nach Taiwan – billig, sowohl Material als auch Verarbeitung. 12 Jahre alt und keine neuen Ideen.
Wie anders fühlt sich der E5 an! Die etwas „gummierte“ Oberfläche vermittelt guten Halt und wirkt hochwertig. Das bestätigt sich bei den Details: An den Aufsteller an der Rückseite denkt immer noch nicht jeder andere Hersteller. Darunter befindet sich ein Aufkleber mit einer Übersicht über die Belegung der Funktionstasten. Und der Batteriefachdeckel ist hier, wie bei Degen-Empfängern üblich, anscharniert und damit unverlierbar. Haben die darauf ein Patent, oder warum sonst macht das sonst keiner so?
Der E5 läuft natürlich auf Netzteil oder Batterie. Die vier Mignonzellen lassen sich ohne Gefummel einlegen (wieder im Gegensatz zum ATS-909, wo eine Zelle ein Stockwerk tiefer liegt). Auch die etwas voluminöseren Eneloop-Akkus haben Platz. Wer NiMH-Akkus benutzt, kann sie im Gerät laden lassen, sobald es am Netz hängt. Der E5 lädt zeitgesteuert mit 100 mA, die Ladezeit wird in Stunden vorgewählt. Der niedrige Ladestrom liegt für heutige Akkus zwar schon an der Grenze zur Erhaltungsladung – Akkus mit zweieinhalb Ah laden einen Tag lang –, aber so ist die Gefahr eines Akkutodes durch Überladung niedriger, und fürs ernsthafte Laden packt man sie sowieso ins Ladegerät. Zum Nachladen zwischendurch auf Reisen ist die Funktion mehr als praktisch. Gut in dem Zusammenhang ist die vierstufige Batteriezustandsanzeige, die nicht nur voll und leer anzeigt.
Praktischerweise entspricht der Ladestrom in etwa der Stromaufnahme des Radios. Das heißt: Nach vier Stunden Akkubetrieb vier Stunden laden, und die Akkus dürften wieder einigermaßen voll sein.
Solche Einstellungen wie Ladezeit, Uhrzeiten, Sleep-Zeit werden übrigens einheitlich im jeweiligen Einstellmodus am Abstimmrad vorgenommen. Das durchgehende Bedienkonzept macht es einem sehr leicht, den E5 zu „lernen“.
Gut, jetzt ein beherzter Druck auf den Einschalter rechts oben, und das Display leuchtet auf. Nanu, zeigt es nichts an? Dochdoch, nur schräg von oben ist es nicht ablesbar! – das war bisher noch bei jedem meiner Degen-Empfänger so. Schade. Aber vielleicht müssen die ihren Lagerbestand an entsprechenden Displays erst mal aufbrauchen, bevor eine verbesserte Charge bestellt wird?
Der Verriegelungsknopf über dem Einschalter hat zwei Funktionen: Nach einmaligem Druck meldet er HOLD und blockiert nur das Abstimmrad. Nach einem zweiten Druck sind sämtliche Tasten verriegelt.
Wie gesagt: Man denkt sich in die Bedienkonzepte schnell hinein. Die Frequenz-Direkteingabe geht auf Anhieb – man muß keine Eingabe vorher ankündigen, einfach die Ziffernfolge ohne Komma und anschließend AM oder FM drücken, das wars. Etwas gewöhnungsbedürftig sind dagegen die 7 F-Tasten unter dem Display. Je nach Kontext können sie ein Meterband, einen Speicherplatz oder einen – Wochentag darstellen! Am ausgeschalteten Empfänger werden damit die Weckfunktionen eingestellt sowie einiges Grundlegende wie AM-Schrittweite oder FM-Bereich. Ja, der E5 empfängt UKW ab 76 MHz.
Für die Lautstärkeeinstellung wäre mir ja ein Poti lieber als die Tipptasten. Denn dann kann ich die Lautstärke in stiller Umgebung, wenn ich nur was ausprobieren möchte, schon vor dem Einschalten auf Null drehen. Die Überraschung kam erst beim Herumspielen: Donnerwetter, das geht mit den Tasten des Lextronix auch – bei ausgeschaltetem Radio ist die Lautstärke verstellbar! Hier haben zweifellos Entwickler einen Nerv für die Praxis! Und natürlich ist es schön, den Weckfunktionen auch jeweils eigene Lautstärken zuweisen zu können. Das geht nur mit Software-Lautstärkestellung.
Der E5 läßt sich überhaupt wunderbar in der Hand bedienen. Der rechte Daumen findet alle Tasten mühelos. Zumal sie samt und sonders im Dunkeln leuchten, wenn das Licht an ist (es schaltet sich bei Batteriebetrieb mit jedem Bedienvorgang für eine Zeitlang ein).
Links neben dem Ziffernblock ist die Speicherverwaltung. 100 pages, also Speicherseiten, bieten jeweils 7 Speicherplätze und lassen sich dazu auch noch alphanumerisch beschriften. Vier Zeichen sind zwar nicht viel, aber helfen Ordnung halten. Die Speicherinhalte überleben auch längere Stromlosigkeit.
Ein eher witziges Gimmick ist die Möglichkeit, während eines laufenden Programms die Inhalte beliebiger Speicher zu betrachten (CHECK), ohne gleich auf das andere Programm umzuschalten.
Neben der Direkteingabe bietet der E5 zwei Arten der Abstimmung:
Auf der Kurzwelle läßt sich der E5 von meinem bislang bewährten Sony ICF-7600D nicht in den Schatten stellen. Klar und verständlich kommen auch schwache Stationen herein, wie es sich für einen Doppelsuper gehört. Die Bandbreitenfilter (2 umschaltbar) scheinen mir vernünftig ausgelegt zu sein. Übrigens lassen sich auch die Schiebeschalter hervorzüglich bedienen. Das braucht weder spitze Fingernägel noch Tesafilm gegen versehentliche Bedienung.
Der E5 kann freilich auch SSB. Dann wird mit dem (jetzt wirklich analogen) Feinabstimmer rechts an der Seite die Frequenz exakt eingestellt. Der Feinabstimmer ist nicht bei AM, sondern nur bei SSB aktiv, er wirkt nur auf den BFO. Ich bin kein großer Hörer von SSB-Stationen, aber die, die ich bislang drin hatte, kamen klar und deutlich.
Auf UKW verhilft der E5 auch schwachen Signalen zu einwandfreier Wiedergabe. Sämtliche Frequenzen von der Hornisgrinde sind im 120 km entfernten Schwäbisch Gmünd rauschfrei zu empfangen. Auch die Trennschärfe ist gut! Stationen, die 0,2 MHz auseinanderliegen, hält der E5 sauber auseinander. Sunshine live von Buchen-Walldürn auf 102,1 (schwach) wird vom starken AFN Stuttgart auf 102,3 nicht gestört, das Programm von B 5 Aktuell vom Dillberg auf 102,0 hört man allerdings bei günstiger Empfangslage noch etwas durch.
Die Richtwirkung der Ferritantenne für LW und MW ist gut. Für Kürzerwelliges ist die 90 cm lange Teleskopantenne zuständig, die ihre Sache auch gut meistert. Eine externe Antenne ist über die übliche Klinkenbuchse anschließbar, gebraucht habe ich das noch nicht. Ebenso den Empfindlichkeitsschalter, der immer in Stellung DX steht und mit Großsignal noch keinerlei Probleme hatte.
Das Ding klingt anständig. Kommt an einen Satellit 700 natürlich nicht ran, aber dafür packt man sechs bis acht E5 da hin, wo sonst nur ein Sat 700 Platz hätte. Für ein Radio dieses Volumens ist der Klang richtig gut, wenn auch noch nicht mit dem phänomenalen Größe-Klang-Verhältnis des ICF-7600D vergleichbar. Und wem das nicht reicht, der stöpselt seine HiFi-Anlage an den Kopfhörerausgang oder den Line-Out an. Dann kommt UKW auch in kristallklarem Stereo.
Wozu braucht man vier getrennt einstellbare Weckfunktionen? Seit ich vier habe, stellt sich die Frage nicht mehr, zumal sich der E5 auch den Wochentag merkt. Alarm 1 für normale Wochentage, Alarm 2 fürs Wochenende, Alarm 3 für späteres Aufstehen an Wochentagen. Schon brauche ich keine Weckzeiten mehr zu verstellen, sondern muß nur noch einzelne Wecker an- und abschalten. Das hat was: Jede Weckfunktion hat ihre eigene Uhrzeit (natürlich), ihre eigenen Wochentage, ihren eigenen Sender (Speicherplatz), ihre eigene Lautstärke und ihre eigene Einschaltdauer. Dagegen kann der ICF-7600D nun wirklich nicht mehr anstinken. Gut, der ist auch 25 Jahre älter.
Überall ist Verbesserungspotential: In der Anleitung muß man einiges erraten. Das Kapitel über die Einstellung der Weckzeiten ist schlicht und einfach so verunglückt, daß es lediglich meinem Spieltrieb zu verdanken ist, daß mein Radio mich mittlerweile wunschgemäß weckt.
Um meine Freude mit anderen zu teilen, hier eine deutsche Anleitung, die auch funktioniert.
Im Netz findet man einen Test der „Auto-Video-Foto-BILD“, deren Autoren tatsächlich versucht haben, Weltempfänger zu beurteilen. Ob es ihnen geglückt ist?
Der Empfangsbereich ist fast durchgehend. Nur der LW-Bereich von 286 bis 519 kHz fehlt.
Moment, ich probiers mal. 2-9-0-AM – komisch, da kommt was. Vielleicht hätte man entweder die Bedienungsanleitung lesen sollen oder einfach mal versuchen, eine Frequenz in diesem Bereich direkt einzutippen. Der genannte Bereich stellt nämlich nach Lextronix-Denkweise ein eigenes Langwellenband dar. Die Abstimmung mit den Suchlauf-Tasten überspringt keine Bandgrenzen, es geht im selben Band vorn wieder los. Aber per Abstimmrad oder Direkteingabe ist der genannte Bereich problemlos abstimmbar.
Die Schrittweite beim Einstellen von UKW-Sendern beträgt 25 kHz und nicht wie üblich 10 kHz.
… was immer man unter „üblich“ verstehen mag. Das Frequenzraster auf UKW ist immer noch 100 kHz. Viele Radios bieten gar keine größere Genauigkeit als das, lassen sich also nur exakt auf Träger abstimmen und nicht leicht daneben, was bei störenden Nachbarsendern besser sein kann. Andere halbieren immerhin auf 50 kHz. „Üblich“ sind 10 kHz in der Preisklasse des E5 keineswegs.
keine RDS-Funktion
Welcher Weltempfänger in der Preisklasse bietet RDS? Das findet man erst im Sangean ATS-909, und auch da funktioniert RDS eher mittelprächtig und nur bei sehr gutem Empfang. Inwiefern soll das am E5 eine Schwäche sein?