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Was ich gerne mache

F rüher mal, so mit 10 oder 11, wollte ich unbedingt Busfahrer werden. Traum eines leidgeprüften Fahrschülers, um der Welt zu beweisen, dass ein Busfahrer nicht notwendigerweise auch ein A**** sein muss, auch wenn's in meiner damaligen Wahrnehmung der Realität so aussah. Aus dem Berufswunsch ist nichts geworden – naja, ist wohl auch besser so – aber ich fahre trotzdem ab und zu mit einem Bus voller Schüler durch die Weltgeschichte. Ich fahre den Bus nur nicht selbst. Ist wohl auch besser so.

Aber einiges hat sich aus dem erwähnten frühen Alter in die Dreißiger hinübergerettet. Ich bin (zum Glück) immer noch im Stande, die ganze Welt inklusive Zeit und Raum zu vergessen, wenn ich ein Buch lese.

Ein Buch, das damals in meinem aufnahmefreudigen Schädel einige spezielle Hirnwindungen geknotet hat, war das „Sprachbastelbuch“, das mich anfangs bitter enttäuschte, denn Sprache war zwar viel da drin, aber keine Bastelanleitungen – bis mir erklärt wurde, wie der Titel zu verstehen war. Muss einem ja auch wirklich gesagt werden! Nun, dieses vorpubertäre Humor-Erlebnis hat mich wohl geprägt – die Winkelzüge der Sprache machen mir immer noch wahnsinnig viel Spaß. Mit einem Arbeitskollegen z.B. unterhalte ich mich manchmal ausschließlich in Schüttelreimen – gar nicht so einfach, vor allem für den Rest der Abteilung. Aber auch auf Anagramme, künstliche Wortverfremdungen, Drehstabenverbucher oder ganz normale Knittelverse bin ich immer gut zu sprechen – das weiß und fürchtet jeder, der mich kennt.

Ich war mit 10 auch gar nicht sicher, ob man zugeben darf, dass man gerne Mozart hört. Lieber nicht! Durchgesickert ist es trotzdem, auf was für Musik ich stehe, na, und was ich da an blöden Sprüchen einstecken durfte... kein Wunder (dachte ich damals), dass keiner mit mir etwas zu tun haben wollte. Jedenfalls habe ich nie viele Freunde gehabt. Damals.

Jedenfalls keine lebendigen, mit denen man reden konnte – aber als Junge kann man sich da behelfen, und so standen einige meiner „Freunde“, wie gesagt, in meinem Bücherregal. Andere standen im Wald und hatten entweder Wurzeln und Blätter, oder sie standen am Boden und waren eventuell giftig – essen mochte ich Pilze nie (nicht wegen Gift, ich mag sie einfach nicht), aber „wissenschaftlich“ haben sie mich schon immer fasziniert. Wochenlang konnte ich jeden Nachmittag mit meinem geliebten Pilzbestimmungsbuch durchs Unterholz streifen. Hausaufgaben? Gibt Wichtigeres! Die allerschönsten Pilze, die ich jemals gesehen habe, waren übrigens allesamt Exemplare des Amanita muscaria. Des Fliegenpilzes.

Ob ich deshalb heute so gern meilenweit wandere und Landschaft hautnah erlebe?

Und es gab noch andere „Freunde“, größere, die waren allerdings einige hunderttausend Kilometer bis Hunderte von Lichtjahren weit weg, was die Kommunikation zusätzlich etwas erschwert (wegen der Laufzeit), aber ich stand so manche Winternacht mit meinem primitiven 60-mm-Teleskop im Schnee und bestaunte mit offenem Mund die glänzende Pracht der Plejaden (des „Siebengestirns“), oder den Lauf der Jupitermonde, oder einfach nur die kahle silbergraue Schönheit des Mondes... wer das nie gefühlt hat, wird es nicht begreifen. In meinen Bücherspeichern bekam Karl May ernsthafte Konkurrenz durch alte und neue Schinken über Physik im Allgemeinen und Astronomie im Besonderen. Mein Beruf wurde es trotzdem nicht. Schade? Weiß nicht.

Irgendwann in der Zeit – genauer: am 12. August 1980 – begann bei mir auch das Zeitalter der Fotografie: ich plünderte ein komplettes Sparbuch und erstand eine Revueflex SD-I, eine richtige Spiegelreflex mit M42-Systemanschluss – und sammelte in den folgenden Jahren alle wichtigen Erfahrungen um Perspektiven und Kontrastumfänge – und um Leute, die sich partout nicht fotografieren lassen wollen (was ich nie verstehen werde). Aber auch damit verdiene ich nicht meine Brötchen.

Zwei Jahre danach kaufte ich mir einen „Personal Computer“ mit Z80A-CPU, 2 MHz Taktfrequenz, 1 kB RAM (inkl. Grafikspeicher) und Audio-Cassette als Massenspeicher mit manueller Steuerung – den guten alten ZX81 (wer ihn auch noch in Ehren hält: es gibt eine Emulation, die unter Windows bestens – im Originaltempo – läuft – Tastenbelegung beachten!). Nichts war mehr vor mir sicher, alles und jedes wurde irgendwie in ein Computerprogramm umgemünzt. Ein paar praktische Sachen kamen sogar dabei heraus. So schloss ich auch den ersten regulären Informatikkurs, der an unserer Schule stattfand, recht erfolgreich ab – aber auch das machte ich nicht zu meiner Lebensaufgabe. Kam mir wohl zu stressig vor.

Und obwohl ich jetzt schon so vieles, was mir Spaß macht, nicht zum Geldverdienen gebrauche: mein Beruf macht mir auch noch Spaß!

Und warum ich so'n Spaß am Leben habe, das hängt vielleicht mit meinem Betriebssystem zusammen...

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