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03. Jun. 2016

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Das Nutznetz

Umgangsformen

Stell es dir so vor: Das Usenet ist wie ein großer Biergarten, und die Newsgroups sind lauter Stammtische, an denen sich Leute über bestimmte Themen unterhalten. Wenn du dich als „Neuer“ an so einen Tisch setzt, solltest du – genau wie du es auch an einem richtigen Stammtisch machen würdest – bestimmte Regeln einhalten, zumindest für den Anfang.

Ein paar Spielregeln:

Neu hier?

Wenn du noch neu im Usenet bist, wirst du Fehler machen. Das ist normal und ging wahrscheinlich keinem vor dir anders. Dann werden andere dich auf diese Fehler aufmerksam machen – und schon stellt sich die Frage, wie du darauf reagierst.

Mein Tipp: Versuch daraus zu lernen und die Hinweise als Hinweise und nicht als Beschimpfungen aufzufassen, auch wenn sie mal nicht ganz höflich formuliert sind.

Technisches

Zur technischen Gestalt eines Postings – unabhängig vom Inhalt – gibt es bestimmte Regeln, die zum Teil von deiner Software, zum Teil aber auch von dir selbst eingehalten werden sollten, damit dein Posting auf anderen Rechnersystemen ebenso gut lesbar ist wie auf deinem. Ich habe sie in den Technischen Regeln einmal zusammengefasst.

Realname

Es gilt als höflich, seinen richtigen Vor- und Nachnamen im Absenderfeld seiner Postings stehen zu haben. Wenn du etwa nur unter deinem Vornamen oder unter einem offensichtlichen Pseudonym schreibst, wird man dich darauf hinweisen.

Andererseits kann dich niemand zur Angabe deines Namens zwingen, ganz zu schweigen davon, dass niemand nachprüfen kann und wird, ob der Usenetteilnehmer „Helmut Schönefeldt“ nicht doch „Martha Müller“ im Ausweis stehen hat.

Die Diskussion um Für und Wider dieses sogenannten Realname beißt sich immer weiter fest, stichhaltige Argumente finden sich auf beiden Seiten. Zwei Aufstellungen, aus denen du dir deine Meinung bilden kannst, wären etwa http://www.realname-diskussion.info und http://www.sockenseite.de/usenet/Realname-FAQ.html.

Auf jeden Fall aber kann ich dir versprechen, dass du mit einem offensichtlichen Pseudonym, wie sie im Chat meist üblich sind („Pumuckl2003“ oder „Herzilein“), in den meisten Gruppen nicht ernstgenommen werden wirst. Du solltest auch bedenken, dass viele Mitleser auf einteilige Namen filtern. Wenn du also nur als „Chrissi“ postest statt als „Christina Meiersdorf“, dann hat dein Posting automatisch weniger Leser.

Ausgenommen von der Realname-Erwartung sind selbstverständlich Gruppen, in denen Pseudonyme thematisch ratsam oder/und ausdrücklich geduldet sind, z.B. de.talk.liebesakt oder die Gruppen der de.etc.selbsthilfe-Hierarchie.

Mailadresse angeben?

Auf jeden Fall sollte man, wenn man am Usenet teilnimmt, auch per Mail erreichbar sein, also eine funktionierende Mailadresse angeben! Oft gibt es Gelegenheiten entweder zu netten persönlichen Mitteilungen oder zu speziellen Nachfragen, die in der NG nichts verloren haben.

Oft liest man in Computerzeitschriften die Empfehlung, dass man seine Mailadresse im Absender verfälschen soll, um unerwünschte Werbemails (sogenannten Spam) zu vermeiden.

Richtig daran ist, dass Usenetgruppen für einen Spammer einer der einfachsten Wege sind, viele Mailadressen auf einen Schlag zu „ernten“ und deren Inhaber mit seinem Mist zu beglücken.

Gegen das Verfälschen der Mailadresse sprechen aber gewichtige Gründe: Einfache Zusätze wie NOSPAM können von halbwegs intelligenten Auswerte-Programmen automatisch entfernt werden, das ist kein Schutz. Mit komplizierteren Verfälschungen mutet man jedem, der einem eine Mail schreiben möchte, einen erheblichen Bastel-Aufwand zu, um die Adresse wiederherzustellen. Aber vor allem: Woher willst du wissen, dass deine verfälschte Adresse nicht irgend jemandem in dieser Form tatsächlich gehört – der dann deinen Spam bekommt?

Empfehlung: Richte dir für den Absender eine „Mülleimer-“Adresse ein, die zwar dir gehört, die du aber nur selten oder gar nicht liest, und setz deine „richtige“ Antwortadresse in den Reply-To-Header. Der Reply-To ist aus technischen Gründen für Spammer schwieriger zu beschaffen als der Absender, obwohl es leider inzwischen nicht mehr stimmt, dass ein Reply-To überhaupt keinen Spam bekommt. Vor allem Microsoft-Würmer sorgen dafür, dass Reply-To-Adressen verbreitet werden – ein weiterer Grund, warum OjE im Usenet recht unbeliebt ist.

You can say „you“ to me ...

Im de-Usenet duzt man sich („Könntest du uns noch verraten, wie ...“) und nennt sich beim Vor- oder Spitznamen („Wolfi hat letzte Woche gepostet, dass ...“). Alle. Grundsätzlich. Auch wenn du ein 13-jähriger Schüler bist und dein Gegenüber ein 57-jähriger Professor.

Das geht so weit, dass Siezen schon als Unhöflichkeit gilt, da es eine gewisse Distanzierung beinhaltet.

In einigen Gruppen gibt es Leute, die dennoch konsequent siezen – entweder weil ihnen das Du unangenehm ist (was im Allgemeinen respektiert wird) oder sie sich durch Siezen von der Masse abheben möchten (was affektiert ist).

FAQ nutzen

Bevor du selbst eine Frage postest: Lies die FAQ einer NG (Frequently Asked Questions [Häufig gestellte Fragen] – diese Liste wird normalerweise alle paar Wochen in die NG gepostet), sofern es eine gibt. Da haben sich viele Leute viel Arbeit gemacht, um unnötige, nervende Fragen in der NG zu vermeiden.

Viele FAQs findest du in der Gruppe de.answers, und ansonsten hilft dir Tante Gu weiter. Gib einfach den Namen der Gruppe und als Stichwort „FAQ“ an.

Wenn möglich, lies außerdem die NG vorher ein paar Tage mit. Jede NG bildet eine eigene Gemeinschaft mit einem eigenen Tonfall, sie hat ihre eigene Atmosphäre. Sind in der einen z.B. witzige Bemerkungen gern gesehen, so können sie in einer anderen völlig unangebracht sein. Dafür solltest du ein Gefühl entwickeln. Erst lesen, dann posten.

Hirn einschalten

Wenn du postest: Vergiss nie, dass jeder deiner Artikel ein Rundschreiben an Hunderte und Tausende anderer Mitleser ist. Schick auf gar keinen Fall angehängte Dateien, außer in Gruppen, die ausdrücklich dafür da sind! (Warum, kannst du dir wohl denken: weil diese Dateien dann auf Tausende von Systemen kopiert werden müssen und dort unnötig Platz fressen.)

Schreib also nur Text, kurz und sachlich, und bleib bei Dingen, die alle interessieren. Beschimpfungen und Ähnliches schick bitte den Betreffenden per E-Mail – das hat in der Gruppe normalerweise nichts verloren.

Vergiss nie, dass du an Menschen schreibst (und zwar immer an alle Mitleser gleichzeitig) und nicht an Computer!

Äußerlichkeiten – der erste Eindruck

Ein geflügeltes Wort im Usenet lautet: „Usenet ist kein Chat!“

Im Chat ist es normal, Dinge wie „ds proggi funzt net kan wer heflen danke“ zu schreiben, weil es halt schnell gehen muss. Im Usenet macht man sich damit nur lächerlich. Du hast doch genug Zeit, einen Artikel zu verfassen, deshalb kannst und solltest du dich darum bemühen, verständlich, gut lesbar und in halbwegs richtiger Rechtschreibung zu posten. Du wirst spürbar bessere und freundlichere Antworten bekommen.

Hinweise: Das schöne Wort „voraus“ schreibt man auch nach reformierter Rechtschreibung mit einem r. Die fshcale Schreibweise „vorraus“ ist im Usenet so verbreitet, dass man damit schnell zur Zielscheibe des Spotts wird. Ähnliches gilt für Falschschreibungen wie „Standart“, „höhren“, „Was hälst du davon“ oder „meißtens“ – Feler, die man nicht mehr sehen kann.

Mehr

Viele Fehler, die man ansonsten in einer Usenet-Diskussion machen kann, hat Dieter Brügmann in den Usenet-Laws verewigt.

Also dann: Man liest sich!

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