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Textgarten

Neulich, im Zug

Letzter Wagen, hinterstes Abteil, ich habe es für mich allein. Schön, so kann ich mir ungestört ein paar Gedanken machen. Die Fahrt von Karlsruhe nach Nürnberg dauert ein paar Stunden. Der Zug fährt an. Ein kleiner Junge steht auf dem Bahnsteig und winkt einer alten Dame hinterher, die am nächsten Fenster steht. Seine Tante? Wahrscheinlich.

Ich mache mein Fenster zu, ziehe die Jacke aus, setze mich hin. In meinem Portemonnaie sammeln sich seit Wochen alte Fahrscheine. Sie machen es dicker, als mein Kontostand vermuten lässt. Ich beginne, den Müll auszusortieren.

Da geht die Tür auf, ein junger Mann schaut rein, so Anfang zwanzig. Ich bleibe also wohl doch nicht für mich. Ist es sein grellbuntes Outfit oder seine Ähnlichkeit mit den Gebrüdern Schumacher - irgendwie muss ich sofort an Formel I denken. Jedenfalls sieht er eigentlich nicht nach einer interessanten Person aus. Ich widme mich wieder meiner Fahrscheinsammlung.

"Guten Tag, wir machen da eine Umfrage..." Hab ich's mir doch gedacht. So, wie der da in der Tür steht, kann das kein normaler Reisender sein. "...für Bild am Sonntag." Den kleinen Seitenblick, den ich ihm nach der ersten Hälfte seiner Vorstellung noch gegönnt hatte, ziehe ich reumütig zurück. Diese Familie sogenannter Zeitungen gehört nicht zu den Themen, bei denen mir warm ums Herz wird. "Mich würde interessieren, was für Themen Sie so morgens beim Frühstück... äh, als kleines Dankeschön bekommen Sie auch zwei Ausgaben gratis." Super. Er schien ein wenig irritiert darüber zu sein, dass ich angesichts dieses generösen Angebotes keinen Luftsprung machte, und ließ mir damit eine Sekunde Zeit zum Antworten. "Fragen gerne - aber Ihr Blatt können Sie behalten." Es klang nicht direkt unfreundlich, vielleicht warf ihn gerade das aus dem Konzept. "Sie müssen mir dann natürlich Ihre Adresse..." Hatte ich chinesisch gesprochen? Sonderbar, so weit reichen meine Fremdsprachenkenntnisse überhaupt nicht. Ich wiederholte mein Statement, etwas entschiedener im Tonfall, und immer noch, ohne ihn anzusehen. "...aber ich beantworte gern Ihre Fragen!"

Zugegeben, das "gern" war schon ein wenig übertrieben. Aber er war auf einmal überhaupt nicht mehr an mir beziehungsweise meiner Meinung zu seinen Fragen interessiert. Mit einem Gemurmel, das wie "na, dann eben nicht" klang, verabschiedete er sich, genauer gesagt: genau das tat er eben nicht, sondern verschwand einfach.

Und jetzt die Frage an dich, lieber Leser: Was will uns diese Geschichte sagen?