Die Namen hier im Norden Englands sind schon ulkig. Kleine Seen wie dieser heißen nicht Lake, sondern Tarn. Und Berge heißen nur in Ausnahmefällen Mount(ain), sondern meist Fell – eine Anglisierung des skandinavischen „fjäll“, ein Erbe der Wikingerzeit (wie auch viele Ortsnamen in Nordengland).
Vorn an der Spitze des Grisedale Tarn steht der „Coastie“ vor einer Entscheidung. Je nachdem, wieviel Zeit noch bleibt (von Grasmere hierher sind’s bereits 2½ Stunden) bieten sich drei Wege nach Patterdale an, dem heutigen Etappenziel (siehe Karte unten):
1. Der Warmduscher-Weg:
Der mittlere Weg ist Wainwrights Hauptroute. Sie geht einfach durchs Tal abwärts, anfangs halb an der linken Hangseite. Knapp fünf Meilen bis Patterdale nur bergab, in gut zwei Stunden machbar. Bei schlechtem Wetter oder vorgerückter Tageszeit (wenn in Grasmere nicht übernachtet wurde) unbedingt zu empfehlen. Im ersten Drittel ist es ziemlich felsig und braucht Trittsicherheit – ein Sonntagsspaziergang ist auch das nicht, sondern ordentliches Bergwandern. Dafür gibt’s unten dann geschotterte Fahrwege, die sich allerdings ein bisschen ziehen.
2. Der Iron-Man-Weg:
Die nördliche Alternative führt den Berg links hinauf (Dollywaggon Pike), geht dann auf den 3.116 Fuß hohen Helvellyn (märchenhaftes Panorama) und steigt (anfangs steil durch Felsen) über dessen Ostgrat Striding Edge wieder ins Tal ab, wo er auf den Warmduscher-Weg trifft. Gut sechs Meilen, mit rund 1.350 ft Anstieg bis Helvellyn und dann 2.650 ft ins Tal. Dafür werden noch mindestens fünf Stunden benötigt, plus eine Stunde Aufenthalt auf dem Gipfel. Diesen Weg sind wir 2004 gegangen – er sieht so aus.
3. Der Genießer-Weg:
Die südliche Alternative läuft rechts auf den Hang bis zum Kamm und folgt diesem nach Nordosten bis auf den 2.756 Fuß hohen St Sunday Crag (das ist der „schiefe“ Berg rechts hinten auf dem Bild). Von da geht es ziemlich steil abwärts nach Patterdale. Streckenmäßig ist das ebenso lang wie der Warmduscher-Weg, aber mit rund 1.000 ft Anstieg und dann 2.300 ft abwärts deutlich anstrengender, ich würde 3½ Stunden reine Gehzeit veranschlagen.
Wer eine der Berg-Alternativen nimmt, erreicht dabei den jeweils höchsten Punkt seiner gesamten Tour. Wer sich für den Warmduscher-Weg entscheidet, erlebt seinen höchsten Punkt erst morgen auf dem Kidsty Pike (2.560 Fuß).
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Text und Fotos ©Volker Gringmuth 1996–2015